Was hat man die Grünen gescholten! Nicht links genug, nicht kompromissbereit genug. Die Spitzenkandidaten seien unpassend, nicht überzeugend. Das Programm schramme an den wichtigen Themen vorbei oder behandle sie falsch. Flirteten sie mit der SPD, wurde ihnen Hybris vorgeworfen. Näherten sie sich der Union, war es Beliebigkeit.

An all dem ist ja auch etwas dran. Das aber ist heute nach der Wahl vergessen. Es liegt ab jetzt an den Grünen, ob Deutschland künftig von einer noch nie da gewesenen Koalition regiert wird oder es das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, weil sich keiner einigen kann, eine Neuwahl gibt.

Auf der Wahlparty im Vollgutlager in Berlin-Neukölln, einer alten Brauerei, ist die Stimmung auch viel zu gut gemessen an den doch recht mageren 8,9 Prozent. Ein halber Prozentpunkt mehr als vor vier Jahren, obwohl die grünen Kernthemen inzwischen weiter ins Zentrum gerückt sind durch Klimawandel, dem Dieselskandal und giftigen Eiern. Die Grünen sind weiterhin die kleinste Fraktion im Bundestag. Aber die Machtperspektive macht das dürftige Ergebnis doch zu einem großen.

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Die SPD hat eine Zusammenarbeit mit der CDU zwar schon ausgeschlossen – aber welche Koalition wünschen Sie sich? Stimmen Sie ab und sehen Sie, was die anderen Leser denken.

  • Jamaika CDU/CSU – FDP – Grüne
  • Große Koalition CDU/CSU – SPD

Im Moment, als die ersten Wahlprognosen bekannt werden, stehen mehr als die Hälfte der Gäste vor den Toren. Die Grünen haben, vielleicht aus Pessimismus, vielleicht aus Understatement, nur 1.000 Gäste angemeldet, mehr passen nicht hinein. Gekommen sind mehr als 2.000. Vor dem Eingang warten Fraktionsmitarbeiter, Mitglieder des Bundesvorstands, Büromitarbeiter hochrangiger Grüner, Amtsträger aus Kreisverbänden, Verwandte grüner Bundestagsabgeordneter.

Eine Neuwahl will niemand

Als es dann drin rumort, 9,3 Prozent, 9,4 Prozent, 9,1 Prozent, hält einer der Veranstalter, der die Masse beruhigen muss, ein Handy in die Höhe, darauf der ARD-Livestream. Als dort die Ergebnisse einlaufen, schweigt die Menge bei denen der Union, bei denen der SPD seufzt sie, bei den Grünen jubelt sie und bei der FDP buht sie. "Weitere Parteien", sagt der junge Mann mit dem Handy, "gibt es ja nicht".

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Die AfD, das tut auch mal gut, kann man hier erst einmal ausblenden. Ein paar Rechtsextreme machen den grünen Erfolg vielleicht etwas bitter, ganz verderben werden sie ihn nicht. Das eigentliche Problem, das, was man auch hier auf der Feier wiederholt hört, ist die FDP. Mit keiner anderen Partei haben sich die Grünen so beherzt gestritten. Können, wollen und sollen wir mit denen, war aber nie die Frage. Erst recht nicht jetzt. Sie müssen. Eine Neuwahl, soviel ist sicher, will niemand.