Vor dem Beginn möglicher Sondierungsgespräche über eine Jamaika-Koalition hat Anton Hofreiter an die Unionsparteien appelliert, interne Differenzen auszuräumen. "CDU und CSU bilden im Bundestag eine Fraktionsgemeinschaft, daher erwarten wir auch, dass in möglichen Sondierungen mit einer Stimme gesprochen wird", sagte der Grünen-Fraktionschef. "Die Unionsparteien sind im Moment sehr mit sich selbst beschäftigt, das müssen sie erst einmal untereinander klären."

Die Union war zwar bei der Bundestagswahl stärkste Kraft geworden, hatte aber nur 32,9 Prozent erreicht – ihr schwächstes Ergebnis seit 1949. Die CSU verlor sogar noch stärker als ihre Schwesterpartei. CSU-Chef Horst Seehofer ist nach den Verlusten parteiintern angeschlagen. Er steht unter Druck, bei möglichen Koalitionsverhandlungen auch in der CDU umstrittene CSU-Positionen wie die Obergrenze für Flüchtlinge durchzusetzen.

Die FDP will den Christsozialen dabei offenbar entgegen kommen. Zwar seien die Liberalen gegen eine starre Obergrenze bei der Aufnahme von Asylberechtigten. "Aber über eine Grenze der Integrationskraft unseres Landes müssen wir reden", sagte FDP-Generalsekretärin Nicola Beer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Ihre Partei plädiert für eine konsequente Abschiebung all jener, die kein Bleiberecht haben.

Die Grünen sind strikt gegen eine Begrenzung: "Eine Obergrenze kann es nicht geben", sagte Cem Özdemir und verwies auf eine entsprechende Aussage Angela Merkels. Die Kanzlerin hatte im Wahlkampf erklärt: "Meine Haltung zu der Obergrenze ist ja bekannt, dass ich sie nicht will. Ich möchte sie nicht. Garantiert."

Um mögliche Koalitionsverhandlungen nicht im vornherein zu ersticken, rief Grünen-Chef Özdemir die potenziellen Partner aber auch auf, sich mit roten Linien zurückzuhalten. "Niemand sollte Maximalforderungen aufstellen, die schon im vornherein als Ausschlusskriterien verstanden werden können", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Bis zum CSU-Parteitag im November, zu dem auch Merkel eingeladen werden soll, will Seehofer die Kursbestimmung mit der CDU abgeschlossen haben. Erst anschließend soll es Gespräche mit FDP und Grünen über die Bildung eines schwarz-gelb-grünen Regierungsbündnisses geben.