Ein zweites Beispiel: Unweit dieser Verkehrsader liegt ein kleiner Park, in dessen Umkreis Straßenprostituierte ihren Geschäften nachgehen. In Berlin gibt es für sie so gut wie keine örtliche Beschränkung.

Weil im Park ständig Kondome, Spritzen und Unrat herumlagen, wurde er kurzerhand geschlossen. Die Folge: Der öffentliche Erholungsraum wurde den Bewohnern des Quartiers entzogen. Die Allgemeinheit wurde also dafür bestraft, dass andere den Park missbrauchten und der Staat sich nicht in der Lage sah, für Ordnung zu sorgen. Auch hier wallte Protest auf. Irgendwann ließ er sich nicht mehr ignorieren, die Verwaltung zog einen festen Zaun um den Park. Am Morgen werden nun seine Pforten geöffnet und am Abend wieder verschlossen. 

Das Problem mit dem Park ist gelöst, aber nicht das Problem mit der Straßenprostitution. Die oft noch sehr jungen Frauen (wer prüft eigentlich, ob sie alle volljährig sind?) nutzen Hauseingänge, Parkplätze und begrünte Gehwegstreifen für das schnelle Geschäft mit dem Sex. Dort entsorgen sie auch Kondome und anderen Müll und entrichten ihre Notdurft. Freier fahren in der Nacht mit ihren Autos in eine Straße, deren Durchfahrt nach der Straßenverkehrsordnung ab 22 Uhr nur den Anwohnern gestattet ist. (Der Autor dieser Zeilen ist als Bewohner dieses Viertels selbst Zeuge.)

Das sind natürlich alles keine schweren Straftaten, sondern lediglich Ordnungswidrigkeiten. Aber in ihrer Häufigkeit und Konzentration schädigen sie allmählich das Wohl- und Sicherheitsgefühl. Doch der Staat als Hüter der öffentlichen Ordnung schert sich nicht oder nur sehr sporadisch um die Einhaltung und Durchsetzung des Rechts.

Die Politiker verschließen die Augen

Weil der Protest wächst, hat ein grüner Bezirksbürgermeister jetzt die Einführung von Sperrbezirken gefordert – ein nicht abgesprochener Vorstoß mitten im Wahlkampf. Nicht ganz zu Unrecht wird eingewandt, Sperrbezirke würden die Straßenprostitution nicht beseitigen, sondern nur verlagern und in andere Stadtteile verdrängen.

Eine für alle, Bewohner wie Prostituierte, verträgliche Lösung des wachsenden Ordnungsproblems wird gleichwohl nicht präsentiert. Die verantwortlichen Politiker verschließen die Augen.