Die Grünen haben sich offiziell zu Sondierungen für eine Jamaika-Koalition bereit erklärt. "Eine Einladung der CDU und CSU zu gemeinsamen Sondierungsgesprächen mit der FDP nehmen wir an", heißt es in einem Beschluss, den ein kleiner Parteitag in Berlin ohne Gegenstimmen verabschiedete.

Im Beschluss werden "ökologischer Fortschritt" und "mehr soziale Gerechtigkeit" als Ziele einer Jamaika-Koalition gefordert. Zudem wollen die Grünen eine humanitäre Flüchtlingspolitik.

Es gebe aber keinen Automatismus für eine Regierungsbeteiligung. "Wenn Gespräche nicht konstruktiv verlaufen, dann werden wir aus der Opposition für Veränderung kämpfen", heißt es weiter in dem Papier, das auch die Namen eines 14-köpfigen Sondierungsteams enthält.

Jamaika-Koalition

Jamaika-Koalition

Auf der Karte sehen Sie, in welchen Wahlkreisen eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen eine Mehrheit hätte. Nachdem die SPD nicht mehr für eine große Koalition mit der Union bereitsteht, ist Jamaika die einzig verbleibende Option nach der Bundestagswahl. Auf Länderebene regierte eine solche Koalition von 2009 bis 2012 das Saarland. Seit Juni 2017 stellt Schwarz-Gelb-Grün die Regierung in Schleswig-Holstein. Vor die Wahl zwischen großer Koalition und Jamaika gestellt, sprachen sich 81,7 Prozent unserer Leser für Jamaika aus.

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In der Sondierungsgruppe sind der linke und der realpolitische Flügel gleichermaßen vertreten. Zu den 14 Mitgliedern zählen neben den Spitzenkandidaten Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann und der Parteilinke Jürgen Trittin.

Am Ende muss die Parteibasis zustimmen

Ob Koalitionsverhandlungen aufgenommen werden, soll nach Ende der Sondierung ein Bundesparteitag entscheiden. Über den Koalitionsvertrag stimmt am Ende die Parteibasis ab.

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Die Grünen hatten bei der Bundestagswahl 8,9 Prozent erhalten. Gemeinsam mit den Stimmen der FDP, CDU und CSU bildet diese sogenannte Jamaika-Koalition eine Mehrheit. Angesichts der großen inhaltlichen Unterschiede in den Wahlprogrammen dieser Parteien stehen ihnen aber schwierige Verhandlungen bevor. So ist etwa die Obergrenze für Flüchtlinge für die CSU eine Voraussetzung für eine Koalition, für die Grünen hingegen ein Ausschlusskriterium.

Rein rechnerisch wäre auch eine erneute große Koalition zwischen Union und SPD möglich. Doch dieses Szenario ist unwahrscheinlich, weil die SPD wegen ihres schlechten Ergebnisses noch am Wahlabend angekündigt hatte, in die Opposition gehen zu wollen.