Die CSU ist für die langjährige Grünen-Vorsitzende Claudia Roth ein wesentliches Hindernis für die Bildung einer Jamaikakoalition. "Glauben Sie wirklich, dass wir Grüne uns auf ein Bündnis einlassen, in dem ein Partner meint, rechts von ihm könne es nur noch die Wand geben?", sagt Roth in einem Gespräch mit der ZEIT. "Wie soll das mit einer CSU gehen, die jetzt ihre 'rechte Flanke' schließen will?"

Die CSU sei "eine weidwunde Partei, die um ihre Alleinherrschaft in Bayern bangt. Ihr Fehler war es, AfD-Positionen kopieren zu wollen. So etwas hilft nur dem Original", sagte Roth. Es gehe nun darum, "den Demokratiefeinden rechtsaußen eine klare Absage zu erteilen". Eine Jamaikakoalition könne es "nur mit einem echten Politikwechsel geben", sagt Roth. "Ob mögliche Sondierungsgespräche zum Erfolg führen, ist aber reichlich ungewiss."

Vor den Sondierungsgesprächen haben CDU, CSU, Grüne und FDP bereits Bedingungen gestellt, die sich zum Teil widersprechen. Die Grünen-Parteivorsitzende Simone Peter sagte der Rheinischen Post, dass es in einer Koalition mit den Grünen keine Obergrenze für Flüchtlinge geben werde. "Darauf muss sich die CSU einstellen, wenn sie ernsthaft Jamaika sondieren möchte." Auch lehne ihre Partei eine weitere Aussetzung des Familiennachzugs über den zweijährigen Stopp zum März 2018 hinaus ab. Eine Flüchtlingsobergrenze hatte Alexander Dobrindt, neuer Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, aber zuvor im ZDF gefordert: "Es ist doch klar, dass die Obergrenze dann Teil einer Koalitionsvereinbarung sein muss."

FDP-Parteichef Christian Lindner äußerte sich in der Welt zurückhaltend. "Manche verklären nun Jamaika zu einem romantischen Politikprojekt." Die FDP werde nur in eine Koalition eintreten, wenn es "Trendwenden" in der deutschen Politik gebe. Als Beispiele nannte Lindner Veränderungen in der Bildungs- und Wirtschaftspolitik. Die FDP wolle außerdem ein Einwanderungsgesetz nach kanadischem Vorbild auf den Weg bringen. "Wir wollen eine vernünftige Energiepolitik und lehnen automatische Finanztransfers in Europa ab."