Dana Guth hat sich den Ausgang der vorgezogenen Landtagswahl in Niedersachsen ganz anders vorgestellt. Das Ergebnis sei "schon eine Überraschung" gewesen, sagt die AfD-Spitzenkandidatin am Tag danach, "ein kleiner Schreck". Ein Schreck für sie und eine Freude für die anderen Parteien – mit Gründen und Folgen: Die Landespartei zerlegte sich schon vor der Wahl selbst. Vieles lief im Wahlkampf schief wegen des offenen Machtkampfs zwischen Guth und dem Landesvorsitzenden Armin-Paul Hampel, bei dem es nur zum Teil um die unterschiedlich rechte bis rechtsextreme Ausrichtung geht.

Selbst die Wahlparty der AfD in einem Ausweichquartier am Sonntagabend verlief nach Angaben von Teilnehmern chaotisch: der türkische Wirt des Lokals, in dem die Partei eigentlich ihren erwarteten kräftigen Einzug in den Landtag feiern wollte, hatte sie wieder ausgeladen, als er hörte, wer bei ihm den Wahlabend begehen wollte.

Auch als die gescheiterte Spitzenkandidatin am Montag das Wahlergebnis in Berlin gemeinsam mit Bundesvorstandsmitgliedern erläutern will, läuft es wieder nicht nach Plan: Jörg Meuthen, der Co-Vorsitzende, und sein Stellvertreter Alexander Gauland reden schon eine Viertelstunde, als Guth endlich eintrifft. Stau, begründet sie ihre Verspätung.

Nordlichter gegen AfD

Die Rechtsnationalisten sind am Sonntag zwar in den 14. Landtag in Folge eingezogen. Sie erhielten 6,2 Prozent. In der Gesamtschau ist das Ergebnis allerdings dürftig. Abgesehen von den Stadtstaaten Hamburg und Bremen lief es für die AfD bisher nur in Schleswig-Holstein schlechter. Die Bundesspitze versucht dennoch, das Positive herauszustellen. Der Stimmenverlust der CDU zeige, dass Merkel keine attraktive Wahlsiegerin mehr sei, sagt Bundestagsfraktionschef Gauland. Der Ruf der Straße, "Merkel muss weg", habe gewirkt.

Meuthen sieht ein Ergebnis, "mit dem wir alle zufrieden sind", und verweist auf die Wählerwanderung: Im Vergleich zu FDP, Grünen und Linken holte die AfD doppelt so viele Nichtwähler an die Wahlurnen. Auch stieg die Wahlbeteiligung, wie auch schon bei den vergangenen Wahlen, seit die AfD antritt.

Doch viel mehr Positives lässt sich dem Ergebnis für die AfD-Spitze nicht abgewinnen. Denn mit gut sechs Prozent liegt die AfD in Niedersachsen gefährlich nahe an der Fünfprozenthürde und und erreichte weniger als die Hälfte des bundesweiten Ergebnisses bei der Bundestagswahl von 12,6 Prozent. In Niedersachsen hatte sie schon am 24. September mit 9,1 Prozent deutlich weniger Stimmen erhalten. Bei den Kommunalwahlen Anfang September kam sie auf einen Mittelwert von 7,8 Prozent, der jetzt noch unterschritten wurde.

Meuthen findet das Absacken jedoch "keineswegs ungewöhnlich" und resümiert stoisch: "Das Entscheidende bleibt: Wir sind drin."