Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat dazu geraten, den AfD-Kandidaten Albrecht Glaser als einen der Bundestagsvizepräsidenten zu akzeptieren. "Dann müssen wir eben damit klarkommen, dass wir einen Islamhasser und Rassisten als Bundestagsvizepräsidenten haben – das ist Deutschland 2017, das ist traurig, aber wahr", sagte der ZMD-Vorsitzende Aiman Mazyek.

"Ich habe zwar vollsten Respekt für die Abgeordneten, die bei der Abstimmung über den AfD-Kandidaten mit Nein gestimmt haben, und ich verstehe auch ihre Beweggründe", sagte Mazyek. Man dürfe der AfD aber "nicht diese Opferrolle" zugestehen.

Glaser hatte als einziger der Kandidaten für den Stellvertreterposten von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) nicht die nötige Mehrheit erhalten. Alle Parteien im Bundestag können einen der Vizepräsidenten stellen. AfD-Co-Fraktionschef Alexander Gauland kündigte an, Glaser erneut für das Amt vorzuschlagen. Abgeordnete der anderen Parteien hatten dem 75-Jährigen vorgeworfen, er habe die Religionsfreiheit der Muslime in Deutschland in Abrede gestellt. Glaser weist das zurück.

Glaser hatte in einer Rede bei einer AfD-Veranstaltung im vergangenen April gesagt: "Wir sind nicht gegen die Religionsfreiheit. Der Islam ist eine Konstruktion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kennt und die sie nicht respektiert. Und die da, wo sie das Sagen hat, jede Art von Religionsfreiheit im Keim erstickt. Und wer so mit einem Grundrecht umgeht, dem muss man das Grundrecht entziehen."

Mazyek sagte, Glaser präsentiere eine "Betonauslegung des Islam, die bei den Muslimen in Deutschland überhaupt nicht mehrheitsfähig" sei. Das Islamverständnis des AfD-Politikers sei dem Religionsverständnis radikaler Salafisten zum Verwechseln ähnlich. Gleichzeitig liefere die AfD eine Steilvorlage für Salafisten, die ständig behaupteten, "Deutschland hasst uns, wir sind hier nicht gewollt". Ein Treffen von Glaser und der damaligen AfD-Chefin Frauke Petry mit Mazyek war im Mai 2016 im Streit geendet.