Die AfD will ihren umstrittenen Abgeordneten Albrecht Glaser noch einmal als Kandidat für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten vorschlagen. Das kündigte Co-Fraktionschef Alexander Gauland an. Allerdings biete man an, dass Glaser seine Position zum Islam in den anderen Fraktionen erkläre und das Gespräch suche, "damit etwaige Missverständnisse oder Vorurteile aufgeklärt werden können", sagte Gauland. Danach werde der Abgeordnete erneut für den Vizeposten vorgeschlagen.

Glaser war bei der konstituierenden Sitzung des Bundestags von einer Mehrheit der Abgeordneten als Bundestagsvizepräsident abgelehnt worden. Auch im dritten Wahlgang hatte der 75-Jährige keine Mehrheit erhalten.

Schon vor der Wahl war abzusehen, dass Glaser durchfallen könnte. Seine Aussagen zum Islam und der Religionsfreiheit waren in den anderen Fraktionen kritisiert worden. Sie werfen Glaser vor, Muslimen das Grundrecht auf Religionsfreiheit verweigern zu wollen. Vor der konstituierenden Sitzung des Bundestags am Dienstag hatte unter anderem SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles von Glaser gefordert, seine Äußerungen zu erklären. Der AfD-Politiker war darauf aber nicht eingegangen.

Gaulands Kollegin Alice Weidel sagte: "Natürlich wird er die Aussagen nicht zurücknehmen, weil diese Aussagen völlig durch unser Wahlprogramm und durch unser Grundsatzprogramm gedeckt sind." Die Politik müsse sich vielmehr endlich mit diesem Thema beschäftigen.

Glaser hatte im vergangenen April bei einer AfD-Parteiveranstaltung gesagt: "Wir sind nicht gegen die Religionsfreiheit. Der Islam ist eine Konstruktion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kennt und die sie nicht respektiert. Und die da, wo sie das Sagen hat, jede Art von Religionsfreiheit im Keim erstickt. Und wer so mit einem Grundrecht umgeht, dem muss man das Grundrecht entziehen."

Eine mögliche Wahl Glasers wird frühestens Mitte November erfolgen, wenn der Bundestag das nächste Mal zusammenkommt. Geleitet werden die Sitzungen künftig vom neuen Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble, der am Dienstag von einer Mehrheit der Parlamentarier als Nachfolger von Norbert Lammert gewählt worden war.

AfD-Abgeordnete stimmten für Kubicki und Friedrich

Schäuble soll sechs Stellvertreter bekommen, damit jede Partei im Präsidium vertreten ist. Außer Glaser wurden alle Abgeordneten mit einer Mehrheit in der ersten Abstimmungsrunde gewählt. Für die CSU ist das Hans-Peter Friedrich, für die SPD Thomas Oppermann, für die FDP Wolfgang Kubicki, für die Grünen Claudia Roth und für die Linken Petra Pau.

Für Friedrich und Kubicki hatten auch zahlreiche AfD-Abgeordnete gestimmt. Aus AfD-Kreisen hieß es, die Fraktion habe praktisch geschlossen für beide Kandidaten gestimmt. Zur Begründung hieß es, beide Politiker hätten sich – anders als beispielsweise Schäuble – nicht unfair über die AfD geäußert.