Der Münchner CSU-Bezirksvorstand fordert mit großer Mehrheit einen geordneten personellen Übergang an der Spitze der Partei. Bei einer Sitzung am Montagabend wurden zwar keine formellen Beschlüsse gefasst. Es sei aber klare Mehrheitsmeinung gewesen, dass es einen geordneten Wechsel brauche, erfuhr die Deutsche Presse-Agenturaus Teilnehmerkreisen. Die Erwartung sei, dass Seehofer bis zum CSU-Parteitag im November oder Dezember einen Vorschlag präsentiere, wie es weitergehen solle. Bis dahin habe man sich geeinigt, vorerst keine weitere Personaldebatte zu führen.

Bereits in der vergangenen Woche waren einzelne Stimmen aus der Münchner CSU laut geworden, die einen personellen Übergang forderten. Erst jetzt tagte aber der CSU-Bezirksvorstand mit mehreren Dutzend Mitgliedern und Vertretern aller Münchner Kreisverbände. Nach Angaben von Teilnehmern meldeten sich in der Diskussion rund 30 Bezirksvorstandsmitglieder zu Wort. Darunter seien auch alle neun Kreisvorsitzenden oder deren Stellvertreter gewesen.

Bis auf den stellvertretenden CSU-Generalsekretär Markus Blume hätten alle Vertreter der Kreisverbände einen personellen Neuanfang gefordert, ein Teil davon auch unter Verweis auf Rückmeldungen der Basis. Es sei eine sachliche, gute, fundierte Diskussion gewesen, hieß es. München ist nach der Oberpfalz und Oberfranken bereits der dritte CSU-Bezirksvorstand (von insgesamt zehn), der sich mehrheitlich gegen Seehofer stellt.

Die Debatte läuft, seit die CSU bei der Bundestagswahl auf den schlechtesten Wert seit 1949 abgestürzt war. Am Montagmorgen hatte sich Seehofer allerdings die erneute Rückendeckung des CSU-Parteivorstands für die anstehenden Jamaika-Gespräche in Berlin geholt. Offiziell wurde die Personaldebatte auf den CSU-Parteitag vertagt, der je nach Lage Mitte November oder Mitte Dezember in Berlin stattfinden soll.

Seehofer sagte nach Teilnehmerangaben zu, nach den Verhandlungen in Berlin würden die kurz-, mittel- und langfristigen personellen Fragen geklärt. Bislang hat Seehofer aber nicht zu erkennen gegeben, dass er von seiner Absicht, erneut als Parteichef und Ministerpräsident zu kandidieren, abrücken könnte.