Umweltschützer und Fischer befürchten schwerwiegende Folgen, sollte der vor der Insel Langeoog auf Grund gelaufene Frachter Glory Amsterdam leckschlagen. Sturm Herwart hatte das mit etwa 1.800 Tonnen Schweröl betankte Schiff auf eine Sandbank getrieben. Das Schweröl sei "ein erhebliches Risiko für den Nationalpark Wattenmeer, in dem der Unglücksfrachter liegt", warnte der WWF-Wattenmeerexperte Hans-Ulrich Rösner.

Derzeit rasten demnach zahlreiche Watvögel, Enten und Gänse dort. Die Kutter- und Küstenfischer befürchten, dass austretendes Öl die Fanggebiete über Monate verschmutzen könnte. Das Wattenmeer zählt zum Unesco-Weltnaturerbe. 

Entgegen erster Pläne soll am Montagabend kein erneuter Freischleppversuch unternommen werden, wie das Havariekommando in Cuxhaven mitteilte. Der Einsatz von großen Schleppern sei derzeit nicht möglich, weil die Wassertiefe um den Frachter zu gering sei, hieß es in einer Mitteilung des Havariekommandos. Ein Flugzeug des Havariekommandos kontrollierte in regelmäßigen Abständen, ob aus dem Schiff Schadstoffe austreten. "Bisher konnten keine festgestellt werden", teilten die Experten am Nachmittag mit.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel sagte nach einem Besuch des Havariekommandos, die Bergung könne noch bis zu drei Tagen dauern. Ein Bergungsunternehmen aus den Niederlanden sei an Bord und erstelle einen Plan, um das Schiff zu befreien, sagte der Grünen-Politiker. Dieses Konzept werde dann vom Havariekommando geprüft. Er könne keinen genauen Zeitpunkt nennen, wann es los gehe.

Der unbeladene Schüttgutfrachter war am Sonntag in der Deutschen Bucht davongetrieben. Alle 22 Menschen an Bord des Frachters blieben den Angaben zufolge unverletzt. Das Schiff hatte zuvor den Hamburger Hafen verlassen und war in der Nähe von Helgoland auf Reede gegangen. Auf diese Weise könnten die Schiffe Hafengebühren sparen, sagte ein Sprecher des Havariekommandos. Schlepper hatten am Sonntag vergeblich versucht, zu verhindern, dass der manövrierunfähige Frachter auf die Sandbank treibt. Doch die Schleppleine riss während des Sturms mit bis zu sieben Metern hohen Wellen immer wieder. 

Herwart hatte am Wochenende vor allem in Nord- und Ostdeutschland gewütet und dabei auch den Bahnverkehr weitgehend lahmgelegt.