Neuerdings sprechen viele Politiker von Heimat. Die in der politischen Mitte, und die rechts davon sowieso; inzwischen aber auch viele links der Mitte.

"Ich bin überzeugt, wer sich nach Heimat sehnt, der ist nicht von gestern", sagte der Sozialdemokrat und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Tag der Deutschen Einheit. "Wir lieben dieses Land. Es ist unsere Heimat. Diese Heimat spaltet man nicht", bekennt die Grüne Katrin Göring-Eckardt.

Es ist nicht nur von einem neuen Integrationsministerium die Rede, sondern sogar von einem Bundesministerium für Heimat. Weil in den vergangenen zwei Jahren über eine Million Flüchtlinge und Migranten in Deutschland Zuflucht suchten. Weil die Statistik inzwischen jeden fünften Bewohner hierzulande als einen Menschen mit Migrationshintergrund aufweist. Weil Union, SPD, Grüne und Liberale das Thema Einwanderung, Integration und Gemeinschaft zurecht nicht den Rechtspopulisten der AfD überlassen wollen.

Es wäre aber falsch, Heimat nur auf Einwanderung und Integration zu begrenzen, auf die Beziehung zwischen Neu- und Altbürgern. Wenn sich die Jamaika-Parteien in diesen Tagen zu Sondierungsgesprächen treffen, wird es auch um die innere Sicherheit gehen. Denn auch hier spielt Heimat eine wichtige Rolle.

Warum? Landläufig ist mit Heimat der Ort gemeint, an dem man geboren wurde oder zumindest in den Jugendjahren aufwuchs, ein Platz, der früh Sprache, Identität, Kultur und Charakter formte. Je nach Erfahrung ist Heimat für manche ein Sehnsuchts-, für andere ein Schreckensort.

Auf jeden Fall aber ist Heimat ein Begriff, der eine Beziehung zwischen einem Menschen und einem Ort herstellt. Heimat definiert den Platz, an dem man wohnen, wo man sich aufhalten will, wo man sich geborgen, kurzum: "heimisch" fühlt.

Heimat ist ein geographischer Ort – und ebenso ein Gefühlsort. Sie ist gerade zu Zeiten, in denen viele Menschen auf Wanderschaft sind, die unmittelbare Nachbarschaft, der Kiez, der Stadtteil. Hier wollen sie sich wohlfühlen, hier möchten sie sicher sein und geschützt werden.

Ohne Heimat kein Vertrauen in Staat und Politik

In Berlin und anderen Großstädten wird dieses Heimatgefühl immer öfter tief erschüttert, weil der Staat sich zu wenig um die Nahbereiche kümmert. Parks und Straßen verkommen, mancherorts machen sich Drogendealer, Prostituierte und Obdachlose breit. Der Staat und seine Ordnungskräfte agieren oft erst sehr spät – und dann meist planlos und allenfalls punktuell.

Zu häufig verweist eine Behörde an die andere und schiebt Verantwortung von sich. Das schafft Unmut und Verunsicherung. Der Witwer einer kürzlich im Berliner Tiergarten von einem Obdachlosen ermordeten Frau, ein durch und durch liberaler Mensch, berichtete dem Tagesspiegel von seiner wachsenden Staatsverdrossenheit.

Verdruss darüber, dass der eigene Staat nicht für Ordnung und Sicherheit sorgen kann, dass er die Augen verschließt, sich zurückzieht oder gar kapituliert – das ist eine fatale Folge.

Mit Sicherheit und Ordnung sind nicht in erster Linie neue und schärfere Gesetze und der Einsatz des Polizeiknüppels gemeint. Es geht um den konsequenten Vollzug bereits bestehender Vorschriften und vor allem um ein weit besseres, nahtloseres und kreativeres Ineinandergreifen der Ordnungs- und Sozialbehörden, der Stadtplanung und der Gesundheitsämter. Und es geht um die Schließung von Sicherheitslücken.

Wenn darauf verwiesen wird, dass es wegen des Prinzips der Freizügigkeit wahnsinnig kompliziert sei, schwer alkoholisierte und frei campierende Obdachlose aus einem anderen EU-Land zurück nach Hause zu schicken, dann muss man eine Lösung finden, die das ermöglicht.

Wenn Prostituierte und Drogendealer sich in Parks und Wohnvierteln breitmachen und das Viertel unsicher wird und verdreckt, dann muss die Politik ernsthaft über die Verhängung von Sperrbezirken nachdenken.

Wer sich in seiner Nachbarschaft nicht sicher fühlt, kann nicht heimisch werden. Wer keine Heimat hat, besitzt kein Vertrauen in Politik und Staat.