Jürgen Trittin sprach von einem "Stück aus einem Tollhaus", Alexander Dobrindt nannte das Verhalten der Grünen "unreflektiert", Peter Altmaier (CDU) sagte, es sei normal, dass nicht alle Themen in einer Sondierungsrunde geklärt werden könnten. Am Donnerstag hatten die Gespräche der Jamaika-Parteien zu Klima- und Migrationspolitik vertagt werden müssen, weil sich die Vertreter von CDU, CSU, FDP und Grünen nicht einig wurden.

Am Sonntag besprachen die Vorsitzenden der beteiligten Parteien dann bei einem Geheimtreffen in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin das weitere Vorgehen. Jürgen Trittin, der für die Grünen an den Verhandlungen teilnimmt, forderte, der "Klamauk zu den Klimazielen" müsse aufhören. FDP und Union dürften nicht auf der Bremse stehen. Der Chef der CSU-Landesgruppe wiederum warf den Grünen vor, mit ihrer Position in der Flüchtlingspolitik das "Scheitern von Jamaika" zu provozieren. 

Am heutigen Montag setzen die vier Verhandlungspartner die Gespräche zunächst in kleiner Runde fort. Auf der Tagesordnung stehen die Themen Bildung und Digitales, Arbeit, Rente, Gesundheit und Pflege, Inneres und Recht. Am Nachmittag will die große Gruppe der Unterhändler dann eine Zwischenbilanz der Gespräche ziehen. Schon jetzt ist klar, dass es nicht in allen Punkten Einigkeit geben wird: Die CSU wird unter anderem eine weitere Erhöhung der Mütterrente verlangen. 

Diese interaktive Präsentation kann mit Ihrem Browser nicht dargestellt werden.
Lesen Sie die Übersicht zum Darüber verhandeln Union, FDP und Grüne in einer optimierten Fassung.

Auch Vertreter aus Gesellschaft und Wirtschaft haben Erwartungen an die Parteivertreter: Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte die künftige Bundesregierung auf, verbindliche Maßnahmen gegen den Pflegenotstand zu ergreifen. Eine Pflege, mit der die Würde der Patienten gewahrt werden könne, sei "ohne würdige Arbeitsbedingungen nicht möglich. Notwendig sind gesetzliche Leitplanken für die Arbeitsbedingungen", sagte der Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Michael Hüther, der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, sagte der Welt, die Rente mit 63 müsse "rückabgewickelt" werden. Vielmehr sei es an der Zeit, darüber nachzudenken, das Renteneintrittsalter ab 2019 auch über die Grenze von 67 Jahren hinaus zu erhöhen. Der deutsche Lehrerverband forderte ein umfassendes Investitionsprogramm für Schulsanierungen in Höhe von zehn Milliarden Euro.