Zwei führende SPD-Politikerinnen haben sich in die durch die #Metoo-Kampagne ausgelöste Debatte über Sexismus eingeschaltet. Familienministerin Katarina Barley und SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles beklagen negative Erfahrungen im politischen Alltag und fordern Maßnahmen, um alle Frauen besser zu schützen.

"Eine ty­pi­sche Se­xis­mus-Er­fah­rung ist, dass Frau­en nicht ernst ge­nom­men wer­den. Ich habe un­glaub­lich oft ge­hört: Die kann das nicht. Oder: Sie ist noch nicht so weit," sagte Nahles der Bild am Sonntag. Dass auch bei beruflich erfolgreichen Frauen immer wieder die Qualifikation angezweifelt würde, sei ein Phänomen, das Männern so nicht begegne. 

Familienministerin Katarina Barley sagte der Funke Mediengruppe, die Debatte, die durch #MeToo ausgelöst wurde, sei  "immens wichtig". Sie selbst mache gelegentlich unangenehme Erfahrungen. So gebe es bei offiziellen Fototerminen "schon den einen oder anderen, der bei der Umarmung, oder wenn man eng beieinander steht, seine Hand mal länger auf der Taille lässt oder fester zugreift", sagte sie.

Millionen Frauen haben sich weltweit der Internetaktion gegen Sexismus angeschlossen. Die Kampagne unter dem Stichwort #MeToo (Ich auch) wurde durch den Skandal um den unter Vergewaltigungs- und Missbrauchsverdacht stehenden US-Filmproduzenten Harvey Weinstein ins Rollen gebracht.

Machtverhältnisse sollen sich ändern

Frauen stünden oft im inneren Konflikt, ob sie sich gegen Sexismus öffentlich wehren sollten, sagte Barley. "Außenstehende wiederum denken manchmal, die spielt mit ihren körperlichen Reizen, die zieht sich schön an, die schminkt sich, um vorwärts zu kommen." So denke sie morgens oft darüber nach, wie ihre Kleidung wahrgenommen werde. "Diese Gedanken ärgern mich. Aber trotzdem wird mein Aussehen und meine Kleidung oft hervorgehoben, ob jetzt von männlichen Kollegen oder den Medien."

Um Frauen besser zu schützen, forderte Barley auch Gesetzesänderungen. "Was körperliche Übergriffe angeht, wie Hand aufs Knie legen, sollten wir juristisch schärfer werden", sagte Barley weiter. Sie beklagte außerdem, dass das von der SPD geplante Gesetz gegen sexistische Werbung keine Mehrheit gefunden habe.

Prinzipiell müsse sich das Machtverhältnis der Geschlechter innerhalb der Gesellschaft ändern. Bei Sexismus gehe es nicht ums Flirten, sondern immer um Macht. "Das hat auch etwas mit fehlender Lohngerechtigkeit zu tun, mit dem Frauenanteil in den Parlamenten, mit einem Frauenanteil in Führungspositionen in Unternehmen", sagte sie. "All das muss kommen, damit sich die gönnerhafte, anmaßende, abwertende, übergriffige Einstellung vieler Männern ändert", sagte die SPD-Politikerin. 

Die SPD-Fraktion soll nun mit gutem Beispiel voran gehen. Gegenüber der Bild am Sonntag kündigte Nahles an, wichtige Posten paritätisch mit Männern und Frauen zu besetzen. Außerdem sehe sie es als ihre Aufgabe an, innerhalb der Fraktion die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern.