Eine Woche vor der Landtagswahl in Niedersachsen liegen SPD und CDU gleichauf bei 33 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt die Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF. Drittstärkste Kraft könnte die FDP mit zehn Prozent werden. Die AfD liegt derzeit bei sieben Prozent, die Linke müsste mit fünf Prozent erneut um den Einzug ins Parlament bangen.

Rein rechnerisch wären nach der Wahl eine große Koalition sowie eine Jamaika- (CDU, FDP, Grüne) oder Ampel-Koalition (SPD, FDP, Grüne) möglich. Die CDU in Niedersachsen hat somit deutlich an Unterstützung verloren. Noch im August (40 Prozent) und September (37 Prozent) sah das Umfrageinstitut Infratest dimap die CDU deutlich vor der SPD (32 Prozent).  Der Umfrage zufolge hätte aber auch die amtierende rot-grüne Koalition ihre Mehrheit verloren. 

Die Befragten sind mit den Leistungen ihrer Landesregierung größtenteils unzufrieden. Trotzdem liegt SPD-Ministerpräsident Stephan Weil immer noch klar vor seinem CDU-Herausforderer Bernd Althusmann. 49 Prozent der Befragten gaben an, lieber Weil als Regierungschef zu haben. Für Althusmann sprachen sich 29 Prozent aus.

Causa Twesten

Die vorgezogenen Neuwahlen in Niedersachsen waren notwendig geworden, weil die Grünen-Abgeordnete Elke Twesten im August ihren Austritt aus der Grünen-Fraktion angekündigt hatte. Damit hatte die rot-grüne Landesregierung unter Weil ihre Einstimmen-Mehrheit verloren. Twesten wechselte zur CDU, was in Niedersachsen für einige Empörung sorgte.

Schon länger zeichnet sich  ab, dass die Niedersachsenwahl ein knappes Rennen wird: Vor einer Woche hatte eine Umfrage der ARD die SPD nur einen Prozentpunkt hinter der CDU gesehen. Vor allem die nach der Bundestagswahl geschwächten Sozialdemokraten hoffen, bei der Wahl des neuen Landtags in Hannover endlich mal wieder einen Erfolg zu haben.

Bei der vergangenen Landtagswahl 2013 hatte die CDU 36 Prozent der Stimmen erhalten, die SPD 32,6 Prozent. In den vergangenen vier Jahren regierte die SPD in einer Koalition mit den Grünen. Für die Sonntagsfrage interviewte die Forschungsgruppe Wahlen 1085 Wahlberechtigte, gewählt wird am 15. Oktober. 

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (zum Beispiel Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transparenzblog Glashaus.