Um 23.40 Uhr am Sonntagabend war es amtlich: SPD und Grünen fehlen zwei Sitze im neu gewählten niedersächsischen Landesparlament, um ihre gemeinsame Regierung fortzusetzen, weil die Grünen im Vergleich zu ihrem guten Ergebnis 2013 mehr Stimmen verloren haben, als die siegreichen Sozialdemokraten hinzugewannen. Der Freudentaumel von Rot-Grün verpuffte. Vor allem bei den Grünen herrschte am späten Abend Niedergeschlagenheit.

Denn auch wenn die SPD und vor allem ihr Ministerpräsident Stephan Weil klare Wahlsieger sind und die Grünen wieder drittstärkste Kraft vor der FDP wurden: Für eine Fortsetzung von Rot-Grün reicht es nicht. Ein dritter Koalitionspartner muss her, wenn es nicht zu einer großen Koalition kommen soll, die weder Grüne noch die SPD wollen. Die Grünen nicht, weil sie dann außen vor wären. Die SPD nicht, weil die Polarisierung zwischen den beiden großen Parteien in Niedersachsen so stark ist wie in kaum einem anderen Bundesland, wie sich im Wahlkampf wieder gezeigt hat.

Und weil die CDU durch die Aufnahme der früheren Grünen-Abgeordneten Elke Twesten in ihre Fraktion aus ihrer Sicht nicht nur versucht hat, die bisherige Mehrheit von Rot-Grün im Landtag umzudrehen. Sondern auch weil die CDU Weil persönlich im Wahlkampf angegriffen hat, vor allem im VW-Dieselskandal. Das hat seine Spuren hinterlassen.

Sozialdemokraten und Grüne setzen nun auf ein Einlenken des FDP-Landesvorsitzenden Stefan Birkner. Der hat allerdings am Wahlabend wie schon vor der Wahl eine Ampelkoalition kategorisch ausgeschlossen. Begründung: Seine Partei habe für einen Regierungswechsel gekämpft. Deshalb könne sie jetzt nicht Steigbügelhalter für eine Fortsetzung von Rot-Grün werden.

Manche in seiner Partei sind über diese Festlegung allerdings nicht glücklich. Sie weisen darauf hin, dass die FDP der SPD im Bund vorwirft, sich durch ihre Absage an eine erneute große Koalition aus der Verantwortung zu stehlen. Deshalb könne ihre Partei jetzt nicht in Niedersachsen das Gleiche tun. "Wir sind den Wählern schuldig, mit der SPD und den Grünen zumindest zu reden", sagte ein FDP-Ortsvorsitzender am Wahlabend. "Die SPD hat die Wahl gewonnen, daran kommen wir nicht vorbei."

FDP-Landeschef bleibt beim Nein

SPD und Grünen zeigten Verständnis dafür, dass Birkner eine Ampelkoalition vor der Wahl ausgeschlossen hat. Aber nicht dafür, dass er auch nach der Wahl dabei bleibt, obwohl die FDP wieder nur viertstärkste Kraft geworden ist und ebenfalls gegenüber der Wahl 2013 deutlich verloren hat. "Wir haben früher alles Mögliche ausgeschlossen. Jetzt machen das die anderen", kritisierte Umweltminister und Vizeministerpräsident Stefan Wenzel im Gespräch mit ZEIT ONLINE.

Grünen-Spitzenkandidatin Anja Piel sagte, der Ball liege nun im Feld von Weil. "Wir haben immer gesagt, dass wir uns keinen Gesprächen verweigern", betonte sie. "Wenn das Wahlergebnis eine Ampel hergibt, wird das an uns nicht scheitern."