Diejenige, die alles verursacht hat, wird dem neuen niedersächsischen Landtag nicht angehören. So viel steht fest. Die Ex-Grünen- und Noch-CDU-Abgeordnete Elke Twesten ist die erste eindeutige Verliererin der vorzeitigen Wahl, die sie mit ihrem Fraktionswechsel Anfang August ausgelöst hat. Weil die Grünen sie nicht wieder aufstellen wollten, ging sie zur CDU. Für die konnte sie jedoch auch nicht kandidieren, denn die hatte ihre Bewerber schon aufgestellt. Und auch sonst wird es wohl nichts mit einer erhofften weiteren politischen Tätigkeit, seit im Raume steht, dass die CDU ihr ein "unmoralisches Angebot" gemacht habe. Die 54-Jährige will jetzt ein berufsbegleitendes Studium beginnen.

Ansonsten ist so ziemlich alles unklar. Wird die amtierende rot-grüne Koalition von Ministerpräsident Stephan Weil drei Wochen nach der Bundestagswahl am Sonntag endgültig ihre knappe Mehrheit verlieren, um die sie Twesten gebracht hat? Übernimmt die CDU unter ihrem Spitzenkandidaten Bernd Althusmann wieder die Regierung, wie schon bis 2013? Oder wird es gar keine regierungsfähige Mehrheit geben?

Wie ist die Ausgangslage?

Niedersachsen ist schon lange ein Swing-State, in dem die Mehrheiten zwischen Schwarz-Gelb und Rot-Grün hin und her wechseln. Und es ist das letzte große Bundesland im Westen, in dem die SPD derzeit noch den Ministerpräsidenten stellt. Die politische Stimmung im Land ist traditionell stark polarisiert, erst recht seit dem Manöver von Twesten und der CDU, Rot-Grün die Mehrheit im Landtag zu entziehen.

Nach dem Krieg regierte lange Zeit die SPD, dann die CDU zwölf Jahr unter Ernst Albrecht. Seitdem lösen sich die Regierungen ab: Erst regierte die SPD mit Gerhard Schröder und Sigmar Gabriel, zeitweise mit absoluter Mehrheit. Dann die CDU mit Christian Wulff und David McAllister. 2013 holte Rot-Grün eine Einstimmenmehrheit im Landtag, obwohl die CDU wieder  stärkste Kraft wurde. Doch für eine schwarz-gelbe Mehrheit reichte es nicht.

Was besagen die Umfragen?

Danach ist so ziemlich alles oder auch nichts möglich. Anfang August, als die Parteien beschlossen, den Landtag aufzulösen, sah es noch nach einem klaren Sieg der CDU aus. Sie lag zu dem Zeitpunkt acht Prozentpunkte vor der SPD. Diesen klaren Vorsprung hat die CDU verloren, die SPD hat sich leicht verbessert. In den jüngsten Umfragen liegen beide großen Parteien gleichauf mit 33 bis 34 Prozent. Bei der Bundestagswahl holte die CDU in Niedersachsen 34,9 Prozent, die SPD 27,4 Prozent. Für die CDU immerhin das zweitbeste Ergebnis in einem Bundesland. Für beide aber ein Minus von rund 6 Prozentpunkten, für die CDU noch etwas mehr.

FDP und Grüne sind in den Umfragen mit 8 bis 10 Prozent ebenfalls annähernd gleich stark. Ob es für eine rot-grüne oder eine schwarz-gelbe Koalition reicht, hängt deshalb auch davon ab, ob AfD und Linke in den Landtag einziehen. Schafft das eine der beiden oder schaffen es beide Parteien, dürfte es weder für SPD/Grüne noch für CDU/FDP eine Mehrheit im Landtag geben.

Die Linke liegt in den jüngsten Umfragen bei 4,5 bis 5 Prozent, also knapp unter oder an der Fünfprozenthürde. Bei der Bundestagswahl erreichte sie in Niedersachsen 6,9 Prozent.