Schwierig ist es für die CDU ebenso beim Thema Innere Sicherheit. Althusmann verspricht, 3.000 zusätzliche Polizisten einzustellen und ihnen mehr Kompetenzen zu geben, etwa gegen Wohnungseinbrüche. Allerdings braucht es vier bis fünf Jahre, bis die ausgebildet und im Einsatz sind. Die CDU hätte sie also, wenn sie jetzt fehlen, schon in ihrer Regierungszeit einstellen müssen. Anders als in NRW, wo die CDU sich erfolgreich auf SPD-Innenminister Ralf Jäger einschoss, ist sein niedersächsischer Kollege Boris Pistorius zudem populär und Vertreter einer eher harten Linie.

Das Thema VW spielte im Verlauf des Wahlkampfs kaum eine Rolle mehr. Weil war wenige Tage nach dem Verlust seiner Mehrheit im Landtag vorgeworfen worden, er habe sich eine Rede zum Dieselskandal von VW, dem größten Arbeitgeber im Land, in dessen Aufsichtsrat er sitzt, entschärfen lassen. Er konnte dies aber entkräften.

Welche Folgen hat die Landtagswahl für den Bund?

CDU, CSU, FDP und Grüne warten in Berlin mit dem Beginn ihrer Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition auf den Ausgang der Landtagswahl. Sie wollten es vermeiden, durch eine frühzeitige Festlegung ihren jeweiligen Landesparteien in die Quere zu kommen. Sollte es unklare Mehrheitsverhältnisse in Hannover geben, macht es die Sache für sie allerdings auch nicht einfacher.

Falls die CDU nach dem Debakel bei der Bundestagswahl auch in Niedersachsen verliert, dürfe der Druck in der Partei auf die Bundesvorsitzende und Kanzlerin Angela Merkel weiter wachsen. Schafft die CDU es dagegen, das Land zurückzuerobern, bekäme sie eine Atempause mindestens bis zum Ende der Jamaika-Verhandlungen.

Ähnlich sieht es bei der SPD aus. Verliert sie die fünfte Wahl in Folge in diesem Jahr, dürfte Parteichef Martin Schulz  kaum mehr eine Chance haben, sich beim Parteitag Anfang Dezember zu halten. Verteidigt sie dagegen ihre Mehrheit mit den Grünen, ließe der Druck auf Schulz wohl etwas nach. Weil dürfte in diesem Fall ein neuer starker Mann in der SPD werden.

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (zum Beispiel Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transparenzblog Glashaus.