Mehr als 600 Staatsbeamte aus der Türkei haben seit dem Putschversuch 2016 Asyl in Deutschland beantragt. Das berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf Zahlen aus dem Bundesinnenministerium. Demnach haben bis Mitte September 249 Personen mit türkischen Diplomatenpapieren und 380 mit Dienstausweisen für hohe Staatsbeamte Asyl in der Bundesrepublik beantragt.

Nach früheren Angaben des Innenministeriums haben 196 der insgesamt 249 Antragsteller mit türkischem Diplomatenpass bis Mitte September einen positiven Bescheid bekommen. Die Zahl umfasse ebenso Familienangehörige, also deren Ehepartner und Kinder. 

Im Juli gab es Berichte, dass die Zahl türkischer Asylbewerber in Deutschland allgemein gestiegen sei: Im März – also vor dem Verfassungsreferendum in der Türkei im April – hatte die Schutzquote noch bei 8,7 Prozent gelegen. Im Juli waren es bereits 22 Prozent, also mehr als ein Fünftel. So wurden im Juli 620 Asylsuchende aus der Türkei registriert, im Juni waren es 433 gewesen und im Mai 498.

Die deutsch-türkischen Beziehungen sind derzeit angespannt, nicht zuletzt wegen der aus vermutlich politischen Gründen inhaftierten Bundesbürger in der Türkei, darunter der Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner oder die Journalisten Meşale Tolu und Deniz Yücel. Insgesamt sitzen derzeit fast 170 Journalisten in türkischer Haft. Dagegen kann der deutschtürkische Schriftsteller Doğan Akhanlı bald nach Deutschland zurück. Er wurde per Interpol-Suchauftrag während seines Urlaubs in Spanien festgenommen. Spanien werde Akhanlı aber nicht an die Türkei ausliefern, teilte das spanische Justizministerium am Freitag mit.