Sexismus ist auch im Politikbetrieb noch immer an der Tagesordnung, das kritisiert die neue SPD-Fraktionsvorsitzende im Interview mit der Bild am Sonntag (BamS). In ihrer Karriere sei sie häufig mit sexistischen Kommentaren konfrontiert worden. "Eine ty­pi­sche Se­xis­mus-Er­fah­rung ist, dass Frau­en nicht ernst ge­nom­men wer­den. Ich habe un­glaub­lich oft ge­hört: Die kann das nicht. Oder: Sie ist noch nicht so weit," sagte Nahles der Zeitung. Dass auch bei beruflich erfolgreichen Frauen immer wieder die Qualifikation angezweifelt würde, sei ein Phänomen, das Männern so nicht begegne. 

Um trotzdem erfolgreich zu sein, sollten Frauen sich besser vernetzen und unterstützen, sagte Nahles der BamS. Sie könnten sich zum Beispiel sogenannte "Lobe-Kartelle" von Männern abschauen. "Wenn einer von ihnen etwas tut, prei­sen ihn die an­de­ren – so­zu­sa­gen au­to­ma­tisch. Da müs­sen wir Frau­en bes­ser wer­den." Im Interview mit der BamS kündigte Nahles an, in der neuen SPD-Fraktion die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern und wichtige Posten paritätisch mit Männern und Frauen zu besetzen.

Im Interview mit DIE ZEIT hatte Nahles im Oktober kritisiert, das gerade Politikerinnen stärker nach Äußerlichkeiten bewertet würden. "Kleidung, Haare, all diese Themen, die kommen, sobald eine Frau an der Spitze steht. Ich bin aber bereit, diese Rolle anzunehmen, mich herauszufordern – und mich auch zu verändern, da, wo es notwendig ist." 

Die bisherige Bundesarbeitsministerin Nahles war Ende September mit einer Zustimmung von 90 Prozent zur neuen Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Bundestag gewählt worden. Es ist das erste Mal in der Parteigeschichte, dass eine Frau die SPD im Parlament anführt. 98 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts sei das allerdings kein Grund zum Angeben, so Nahles zur ZEIT.