Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat nach dem Messerangriff auf den Bürgermeister von Altena, Andreas Hollstein (CDU), eine Änderung des Stalking-Paragrafen 238 im Strafgesetzbuch gefordert. Dieser müsse um einen neuen Straftatbestand "Politiker-Stalking" erweitert werden, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Andernfalls könnten Führungspositionen in Politik und Verwaltung immer unattraktiver werden. "Hasskriminalität bedroht die staatlichen Ämter."

Altenas Bürgermeister Hollstein ist am Montagabend wohl wegen seines Einsatzes für Flüchtlinge in seiner Stadt in einem Imbiss mit einem Messer angegriffen und leicht am Hals verletzt worden. Die Staatsanwaltschaft geht von einem fremdenfeindlichen Motiv aus. Der Passauer Neuen Presse sagte Hollstein, er beobachte eine zunehmende Verrohung in der Gesellschaft. Die liberale Gesellschaft habe es versäumt, Grenzen zu ziehen. "Wer hetzt, gafft, Rettungskräfte angreift, muss mit saftigen Strafen rechnen."

Hollstein forderte auch eine Diskussion darüber, welche Politiker die Gesellschaft haben wolle. "Wir brauchen nicht nur Leute, die kalt und berechnend an ihrer Karriere interessiert sind, sondern etwas für die Menschen und die Gesellschaft tun wollen." Er kenne Menschen, die ihre politische Tätigkeit wegen Anfeindungen aufgeben würden, sagte Hollstein.

Die Ermittler gehen nach ersten Erkenntnissen von einer spontanen Tat des arbeitslosen Maurers aus. Er sei angetrunken gewesen und habe erst in dem Döner-Grill bemerkt, dass sein Gegenüber der Bürgermeister war. Hinweise, dass der Angreifer Verbindungen in die organisierte rechte Szene gehabt habe, seien bislang nicht gefunden worden, sagte Oberstaatsanwalt Gerhard Pauli am Dienstag.

Altena erlangte bundesweite Aufmerksamkeit, weil die Stadt mehr Flüchtlinge aufgenommen hatte, als nach dem Verteilerschlüssel verlangt. Die 18.000-Einwohner-Stadt versucht zudem, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen. Zudem betreuen sogenannte Kümmerer die Flüchtlingsfamilien im Alltag. Dafür erhielt die Stadt im Mai den mit 10.000 Euro dotierten Nationalen Integrationspreis. Der Bürgermeister engagiert sich zudem für die Aktion Gesicht Zeigen und war an der Entstehung des Buchs Mein Kampf – gegen Rechts beteiligt.