Der Nürnberger Martin Sichert ist zum neuen Landesvorsitzenden der bayerischen AfD gewählt worden. Damit behält in Bayern der pragmatische nationalkonservative Flügel die Oberhand. Der 37 Jahre alte Diplomkaufmann wurde in einer Kampfabstimmung zum neuen Landesvorsitzenden gewählt.

Der Wahl war eine stundenlange, zähe Satzungsdebatte vorangegangen. Sichert setzte sich in einer notwendig gewordenen Stichwahl gegen seinen Gegenspieler Werner Meier durch.

Sichert tritt die Nachfolge von Petr Bystron an. Der 44-Jährige hatte seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur zuvor mit seinem Bundestagsmandat begründet. "Ich möchte in Berlin meinen dortigen Aufgaben nachgehen können", betonte er. Zugleich kündigte er seine Kandidatur für einen Sitz im AfD-Bundesvorstand an. Sichert ist ebenfalls Bundestagsabgeordneter, geht jedoch davon aus, beide Ämter ausüben zu können.

Mit einer von starker Medienschelte geprägten Rede hatte sich zuvor der bisherige bayerische AfD-Landesvorsitzende Bystron aus dem Amt verabschiedet. Dabei warf er mehreren Medien vor, der AfD "feindlich gesinnt" zu sein. Mehreren namentlich genannten bayerischen Journalisten warf er "Linksextremismus" vor, wie der BR berichtet.

Bestimmte Flüchtlinge sollen "selbstverständlich entsorgt werden"

Politisch sprach sich Bystron für ein Ende der Zuwanderung aus. Abgelehnte Flüchtlinge müssten rasch ausgewiesen werden. Flüchtlinge, die in Deutschland lebten, dann aber in ihren angeblich unsicheren Heimatländern Urlaub machten, müssten "selbstverständlich entsorgt werden", sagte er.

Viele bayerische AfD-Mitglieder stehen Bystron auch wegen der ihm nachgesagten Nähe zu Identitären Bewegung skeptisch gegenüber. Von März bis September hatte der Verfassungsschutz ein Auge auf ihn, weil er öffentlich Sympathie für die rechtsextreme Identitäre Bewegung bekundet hatte.

Er hatte die Identitären als "tolle Organisation, eine Vorfeldorganisation der AfD" bezeichnet. Deren Aktionen seien "intelligent" und hätten Respekt verdient. "Die AfD muss ein Schutzschild für die Identitäre Bewegung sein." So zitierte ihn der Präsident des Bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz. Erst als der Verfassungsschutzbericht schließlich Schlagzeilen machte, mahnte der AfD-Bundesvorstand den Landesvorsitzenden ab.