Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) will den Machtkampf in seiner Partei offenbar mithilfe eines Beratergremiums beenden. Diesem sollen der ehemalige CSU-Chef und bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber, der CSU-Ehrenvorsitzende Theo Waigel und die Landtagspräsidentin Barbara Stamm angehören, wie es aus Teilnehmerkreisen einer CSU-Vorstandsitzung hieß. Seehofer steht nach den großen Verlusten seiner Partei bei der Bundestagswahl stark in der Kritik; seine Gegner fordern, dass er mindestens einen seiner Posten als Partei- und Landeschef aufgeben soll.

Seehofer versprach im Rahmen der CSU-Vorstandssitzung eine "befriedende" Lösung für die künftige personelle Aufstellung seiner Partei. Er werde bis Anfang Dezember Gespräche über eine "Zukunftslösung" für die CSU führen, sagte er laut Teilnehmerangaben zu Beginn der Vorstandssitzung in München. Dabei werde er von Stoiber, Waigel sowie Parteivize Barbara Stamm begleitet.

Seehofer habe diesen Vorschlag im Vorfeld der Vorstandssitzung mit den stellvertretenden CSU-Chefs abgestimmt, hieß es weiter. Das Trio aus Stoiber, Waigel und Stamm soll demnach dabei helfen, bis zum 4. Dezember Lösungen für die umkämpfte künftige personelle Aufstellung der CSU zu finden.

Was wird aus Seehofer?

Seine persönliche Zukunft ließ Seehofer in seinem Eingangsstatement allerdings zunächst offen, auf Anraten seiner engsten Vertrauten wolle er sich noch nicht zu seinen persönlichen Zukunftsplänen äußern. Vor der Sitzung hatte er noch angekündigt, dass am Abend "alles klar" sein werde.

Im Gespräch ist etwa eine Ämtertrennung, als aussichtsreichster Kandidat für den Posten des Ministerpräsidenten gilt in diesem Fall der bayerische Finanzminister Markus Söder. In der Fraktion hat Söder seit längerem eine klare Mehrheit hinter sich. Söder peilt diesbezüglich eine baldige Entscheidung an. "In zehn Tagen circa soll dann weißer Rauch aufsteigen und ein geschlossenes und einiges Ergebnis zum Parteitag präsentiert werden", sagte er im ZDF. Die CSU sei keine gespaltene Partei und es gebe auch keine unterschiedlichen Lager, versicherte er. Es gebe jedoch viele, die sich Sorgen um die Zukunft der CSU machten.

So fordert auch die Junge Union den Rückzug des 68-jährigen Seehofers als Ministerpräsident spätestens zur Landtagswahl im Herbst 2018. Der Machtkampf hatte in den vergangenen Wochen zu immer stärkeren Verwerfungen in der CSU geführt, bis hinein ins bayerische Kabinett. Andererseits hatten mehrere CSU-Spitzenpolitiker zuletzt betont, Seehofer sei angesichts der unklaren Lage in Berlin nach dem Scheitern der Jamaika-Sondierungen unverzichtbar.

Söder sagte nach der Fraktionssitzung am Donnerstagmittag, es gebe den klaren Willen, am Ende miteinander und geschlossen zu guten Ergebnissen zu kommen. Eine Lösung gegen Söder gilt weiterhin als unwahrscheinlich, weil sich damit wohl keine Ruhe in der Partei herstellen ließe.