Die größten Integrationsprobleme gibt es heute mit der dritten Migrantengeneration: denen, die hier geboren wurden als Kinder von ebenfalls schon hier geborenen und aufgewachsenen Migrantenkindern – in und mit ihren Familien.

Zweitens kann die CSU zu Recht darauf verweisen, dass bei der betroffenen Flüchtlingsgruppe ja gerade keine dauerhafte Aufnahme und deshalb Integration vorgesehen ist. Erlaubte man ihnen, ihre Familien nachzuholen, würde sich ihr Aufenthalt verfestigen. Ganze Familien irgendwann abzuschieben ist wesentlich schwieriger und stößt auf noch stärkeren Protest als bei einzelnen Migranten ohne dauerhaften Aufenthaltsstatus.

Drittens sehen internationale Vereinbarungen und die UN-Flüchtlingskonvention zwar vor, dass Familien auf der Flucht zusammenbleiben dürfen sollen. Aber dort steht nicht, dass das im Endaufnahmeland geschehen muss. Hat also eine Familie aus dem Kriegsland Syrien schon in der Türkei oder Ägypten Schutz gefunden und reist der Familienvater von dort aus weiter nach Deutschland, gibt es keine humanitäre Verpflichtung, den Rest seiner Familie nachreisen zu lassen – was sehr oft die Absicht einer solchen gestaffelten Weiterreise ist.

Die Zusammenführung kann geschehen, indem der Vater in das Erstaufnahmeland zurückkehrt. Das ist keine unbillige Härte, wenn es um die Familie geht.

Anders ist es bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Hier verbietet es das Völkerrecht in der Regel, sie in Länder zurückzuschicken, in denen sie entweder schon allein Schutz gefunden hatten oder in denen der Rest ihrer Familie zurückgeblieben ist. In diesen Fällen muss Deutschland das Nachholen der Eltern und Geschwister erlauben.

Vielleicht könnte genau hier der Kompromiss liegen, wie ihn einige CDU-Politiker vorschlagen: dass man Familiennachzug den Minderjährigen erlaubt und jenen Flüchtlingen, die erkennbar Integrationsbereitschaft zeigen.

Im Vorspann/Teaser des Textes war urspünglich von "geduldeten" Flüchtlingen die Rede. Um klarzustellen, dass es nicht um Geduldete ohne Aufenthaltsstatus geht, sondern um Flüchtlinge mit sekundärem Schutzstatus und befristeten Aufenthaltsrecht, haben wir das geändert. Auch sie können allerdings nur solange nicht in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden, wie ihnen dort Gefahr für Leib und Leben droht. Insofern sind sie im übertragenen Sinne ebenfalls "geduldet".