Vor einem Spitzentreffen der Parteien am Wochenende drängen mehrere Ministerpräsidenten auf mehr Kompromissbereitschaft bei den Sondierungen zu einer Jamaika-Koalition. "Jeder Preis, den wir zahlen, ist geringer, als wenn es Neuwahlen gibt", sagte der baden-württembergische Ministerpräsident der Bild-Zeitung. Eine Wahl würde sich wahrscheinlich bis in den Sommer ziehen. Dies würde eine "unglaubliche Instabilität" nach Europa bringen, weil Deutschland als Anker ausfalle. Zudem könnte man die Bürger nicht so oft wählen lassen, wie es der Politik passe, sagte der Unterhändler der Grünen.

Die Parteichefs und Verhandlungsführer von CDU, CSU, FDP und Grünen kommen am Sonntag in Berlin zu einem Spitzentreffen vor der entscheidenden Phase der Jamaika-Sondierungen zusammen. Bei zahlreichen Streitthemen gibt es bislang noch keinen Durchbruch. Dazu zählen etwa der Klimaschutz, die Flüchtlingspolitik, aber auch die Themen Landwirtschaft und Verkehr.

Mehr Kompromissbereitschaft wünscht sich auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Die Vertreter von Union, FDP und Grünen dürften nicht länger ausschließlich "auf den eigenen Vorteil gucken", sondern müssten "das große Ganze, was hinter diesem Projekt Jamaika steht, in den Blick nehmen", sagte Günther der Welt. Man müsse "auch den anderen Partnern einmal Erfolge gönnen". Günther regiert in seinem Bundesland mit einem Jamaika-Bündnis. Alle Partner müssten sich bewegen, "sonst funktioniert Jamaika nicht", sagte Günther.

Woche der Entscheidung

Politiker der Union zeigten sich optimistisch. In der zweiten Verhandlungsetappe habe man "deutliche Fortschritte erarbeitet", bilanzierte der Fraktionsgeschäftsführer von CDU und CSU, Michael Grosse-Brömer. "Die nächste Woche wird dann die Woche der Entscheidung."

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CSU-Chef Horst Seehofer sagte, er sei mit der Woche "sehr zufrieden". Aber in der dritten Sondierungsphase kommende Woche stehe noch ein "Berg von Problemen" vor den Unterhändlern. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bilanzierte, alle gäben sich viel Mühe. Aber "weißen Rauch haben wir nicht". Es sei noch viel Arbeit.

Bis kommenden Donnerstag wollen CDU, CSU, FDP und Grüne ihre Sondierungen abschließen und dann prüfen, ob sie in Koalitionsverhandlungen eintreten.