CDU-Chefin Angela Merkel hat davor gewarnt, bei den Sondierungen für eine Jamaika-Koalition ständig von Neuwahlen zu sprechen, während die Gespräche zwischen CDU/CSU, FDP und Grünen andauerten. Die Parteien hätten die staatspolitische Verantwortung, eine stabile Regierung zustande zu bringen, sagte Merkel in einer Sitzung des CDU-Vorstands. Daher sei es nicht klug, ständig öffentlich das Stichwort Neuwahl zu nennen. Dennoch müsse die CDU ein Jamaika-Bündnis aber nicht um jeden Preis eingehen.

Nach Teilnehmerangaben soll Merkel in der Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ihren Willen für die Jamaika-Koalition mit den Worten "Ich will das" deutlich gemacht haben. Zudem dürfe der Stand der Jamaika-Sondierung nicht an der Zahl der Interviews oder der "ein oder anderen Drohung" abgelesen werden.

Zuvor hatte bereits Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) an seine Partei appelliert, in den Gesprächen offener für Kompromisse zu sein. Neuwahlen seien "ein Signal der Handlungsunfähigkeit demokratisch gewählter Parteien und ein Nährboden für Extremisten", sagte Günther. In der Union wird befürchtet, eine vorgezogene Bundestagswahl könnte die Rechtspopulisten von der AfD stärken.

Auch Grünen-Chef Cem Özdemir bezeichnete Spekulationen um Neuwahlen als unverantwortlich. "Wir sind nicht gewählt worden, dass wir dem Wähler sagen, das Wahlergebnis gefällt uns nicht", sagte Özdemir.

Diese interaktive Präsentation kann mit Ihrem Browser nicht dargestellt werden.
Lesen Sie die Übersicht zum Darüber verhandeln Union, FDP und Grüne in einer optimierten Fassung.

Die Lage des CSU-Chefs Horst Seehofer wurde nach Angaben von Teilnehmern im CDU-Vorstand nicht thematisiert. Die bayerische Junge Union hatte am Wochenende in einem Antrag offen den Rückzug Seehofers verlangt. Für die bayerische Landtagswahl im kommenden Jahr brauche es einen "glaubwürdigen personellen Neuanfang", hieß es darin.

Frist für Sondierungen genannt

Merkel will gemeinsam mit den Verhandlungsführern von CSU, FDP und Grünen am Montagabend jene Schwerpunkte festlegen, die während der Sondierung noch geklärt werden müssten. Das teilte die CDU-Chefin in einem Facebook-Beitrag mit. Noch würden keine Koalitionsverhandlungen geführt, aber: "Wir wollen auch die Knackpunkte jetzt schon herausarbeiten." Dies werde bis Ende dieser, Anfang nächster Woche geschehen. "Und dann geht es in die Endrunde, denn am Donnerstag, dem 16. November, wollen wir fertig sein mit allem. Und da steht noch viel Arbeit an."