Kann sie der großen Koalition noch entkommen? Nachdem sich die SPD dazu durchgerungen hat, nun doch über eine Regierungsbildung zu reden, versucht sie, neben dem unbeliebten Bündnis mit der Union andere Optionen ins Gespräch zu bringen. Manche haben eine echte Chance. Andere sind sehr unwahrscheinlich bis unmöglich und sollen wohl eher den Parteimitgliedern das gute Gefühl geben, aus vielen Möglichkeiten wählen zu können. Eine Übersicht über die Ideen:

1. Große Koalition: ein Bündnis aus CDU, CSU und SPD, bekannt aus den Jahren 2005 bis 2009 und aus der vergangenen Legislaturperiode. Die SPD hat die Groko zuletzt immer wieder ausgeschlossen.

Wer ist dafür?
Unterschiedliche Lager in der SPD versuchen, ihre Partei von einer großen Koalition zu überzeugen. Anfangs waren es eher die Konservativen um den Seeheimer Kreis und den Hamburger Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs. Inzwischen sagt aber auch der bisherige Justizminister Heiko Maas: "Die SPD kann sich nicht wie ein trotziges Kind verhalten." Außenminister Sigmar Gabriel wird ebenfalls als Befürworter der Groko gehandelt, auch wenn er sich dazu öffentlich noch nicht eindeutig geäußert hat.

Wie wahrscheinlich ist es?
Hatte die Parteispitze noch am Montag nach Ende der Jamaika-Sondierungen eine neue Groko ausgeschlossen, sagt nun nicht mal mehr der Parteivorsitzende Martin Schulz kategorisch Nein. Sein Name (und wohl auch sein politisches Schicksal) sind am engsten mit der Ablehnung der Groko verknüpft. Nun aber will die SPD mit der Union reden, immerhin. Für Merkel wäre ein Bündnis mit der SPD der Königsweg. Man kennt sich und ihre Macht wäre gesichert. Es wird darauf ankommen, bei welchen Streitpunkten die Union der SPD entgegenkommen will. Aber der größte Gegner einer großen Koalition dürfte weiterhin die SPD-Basis sein. Immer wieder haben sich die Mitglieder für Opposition statt einer erneuten Regierung mit Merkel ausgesprochen.

2. Minderheitsregierung der Union: Die CDU-Vorsitzende Merkel könnte sich im Bundestag mit den Stimmen der SPD zur Kanzlerin wählen lassen, spätestens im dritten Wahlgang wäre auch mit relativer Mehrheit eine Wahl möglich. Als Minderheitskanzlerin könnte Merkel alle Ministerposten mit Unionspolitikern besetzen. Die SPD ginge formal in die Opposition. Die Union müsste sich im Bundestag auf wechselnde Mehrheiten stützen, um Gesetze zu beschließen.

Wer ist dafür?
SPD-Parteivize Ralf Stegner plädiert dafür, sich die verschiedenen Modelle einer von seiner Partei tolerierten Minderheitsregierung anzusehen. Dazu gehöre zum Beispiel die Tolerierung einer CDU-Minderheitsregierung, befristete zeitliche Verabredungen oder wechselnde Mehrheiten, sagte er. Hessens SPD-Vorsitzender Thorsten Schäfer-Gümbel verweist auf die Erfahrungen in seinem Bundesland. In Hessen war 2008 eine geschäftsführende Regierung unter CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier im Amt. "Wir haben viele kluge Gesetze beschlossen, weil wir über den Inhalt diskutiert haben im hessischen Landtag jenseits von Koalitionsverträgen. Das war eine Stärkung der Demokratie", sagt Schäfer-Gümbel. Auch der neue NRW-Vorsitzende Michael Groschek unterstützt dieses Modell.

Wie wahrscheinlich?
Kanzlerin Merkel hatte nach dem Ende der Jamaika-Gespräche in mehreren Interviews deutlich gemacht, dass sie keine große Anhängerin einer Minderheitsregierung sei. Wenn die SPD aber die Groko verweigert, ist die Minderheitsregierung neben der Neuwahl die einzige realistische Machtperspektive. Für die SPD hätte eine solche Minderheitsregierung den Nachteil, dass sie zwar der Politik zustimmt, ohne dafür aber Macht und Ministerposten zu erhalten. Die Option ist allerdings attraktiv, weil die Partei der großen Koalition zumindest formal entkäme und keinen weiteren Absturz bei Neuwahlen befürchten müsste.