Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz ist zu Gesprächen mit Kanzlerin Angela Merkel bereit, um ihr die Unterstützung seiner Partei für eine vierte Amtszeit zuzusichern. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf SPD-Kreise berichtet, geht es ihm dabei aber nicht um die Bildung einer neuen großen Koalition, sondern um die Unterstützung der Sozialdemokraten für eine Minderheitsregierung unter Führung der Union. Einen entsprechenden Plan wolle Schulz auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier unterbreiten, wenn dieser ihn an diesem Donnerstag im Schloss Bellevue zum Gespräch bittet.

In der Nacht zu Montag hatte die FDP die Sondierungen mit der Union und den Grünen für eine gemeinsame schwarz-gelb-grüne Koalition für gescheitert erklärt. Seitdem steht die SPD – auch durch innerparteiliche Stimmen – unter Druck, ihr Nein zu einer großen Koalition noch einmal zu überdenken. Viele Abgeordnete der Bundestagsfraktion halten der Parteiführung um Schulz vor, sich zu schnell auf die – für die SPD riskante – Option einer Neuwahl ausgerichtet zu haben. Der Beschluss war von den Parteigremien indes einstimmig gefasst worden.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur tendieren inzwischen führende Sozialdemokraten dazu, gegen verbindliche Zusagen für SPD-Projekte eine Minderheitsregierung zu tolerieren, um die Verhältnisse absehbar zu stabilisieren und Zeit zu gewinnen. "Man darf nichts ausschließen", sagte SPD-Haushaltspolitiker Johannes Kahrs dem Sender n-tv. Dies gelte auch für die personelle Aufstellung seiner Partei. Die SPD sei gut beraten, mit allen Varianten alle Konstellationen zu diskutieren. Der Chef der nordrhein-westfälischen SPD, Michael Groschek, sprach von einem "Stabilitätspakt" mit der Union und nannte im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger als mögliche Felder der Zusammenarbeit "die Förderung der strukturschwachen Kommunen, die Einführung eines Einwanderungsgesetzes, die Sicherung der Renten und eine gerechte Steuerpolitik".

"Es ist sehr schwer für Martin Schulz"

All dies, heißt es inzwischen in der Partei, könne man aber auch innerhalb einer großen Koalition neu aushandeln. "Wir werden, wenn überhaupt nichts anderes geht, auch noch mal darüber nachdenken müssen", sagte etwa Karl Lauterbach im ZDF. Die Atmosphäre in der SPD bezeichnete er als "gespannt". Sie seien "in einer besonderen Situation". Diese sei auch "sehr schwer" für Parteichef Martin Schulz, aber die Partei stehe "voll hinter ihm".

Wie sehr dies tatsächlich gilt, zeigt sich wohl an diesem Nachmittag. Dann will sich die SPD-Spitze – im Anschluss an das Gespräch von Schulz mit Bundespräsident Steinmeier – bei einem Treffen in Berlin über ihr weiteres Vorgehen beraten. An der Zusammenkunft würden neben Schulz voraussichtlich die stellvertretenden Parteivorsitzenden und Generalsekretär Hubertus Heil teilnehmen, hieß es aus Parteikreisen. Dabei dürfte es auch um die mögliche Bereitschaft der Sozialdemokraten gehen, doch noch einmal in eine große Koalition einzutreten.

Schwarz-rote Wähler für neue GroKo

Volker Kauder von der CDU wäre bereit: "Ich würde mich freuen, wenn sich die bisherigen Partner in der Bundesregierung wieder zusammenfänden", sagte der Unionsfraktionschef der Südwest Presse. "Die vergangene große Koalition hat gute Arbeit gemacht, zu der die Union auch immer gestanden hat." Er habe "eine gewisse Hoffnung", sagte Kauder. "Wir hören, dass sich in der SPD etwas bewegt." Die Union stehe für jedes Gespräch zur Verfügung.

Die Sympathien für eine neue schwarz-rote Koalition sind bei den Anhängern von Union und SPD groß. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Emnid im Auftrag der Funke Mediengruppe befürworten 38 Prozent der Wähler von CDU/CSU eine derartige Regierung, bei den SPD-Wählern sind es 36 Prozent. Für eine Neuwahl haben sich dagegen lediglich 28 Prozent der Unionsanhänger ausgesprochen, bei der SPD 36 Prozent.