Ein chinesisches Gericht hat einen prominenten Aktivisten zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Der im englischen Sprachraum auch als "Ultra Vulgar Butcher" bekannte Wu Gan werde in Berufung gehen, kündigte dessen Anwalt nach der Entscheidung an.

Wu ist wegen seiner polarisierenden Kampagnen bekannt geworden. Die nur vage umrissenen Vorwürfe wegen Umsturzes werden häufig in Urteilen gegen Menschenrechtler und Oppositionelle verwendet.

Nach dem Schuldspruch wählte Wu seinem Anwalt zufolge ungewöhnliche Worte: Die Strafe bezeichnete er als "vornehme Ehre". Er sei der kommunistischen Regierungspartei dankbar, sie gewährt bekommen zu haben. Er werde die Ärmel hochkrempeln und sich künftig noch mehr bemühen, sagte Wu laut seinem Anwalt. In der Aussage habe der Aktivist auf oft genutzten Floskeln des chinesischen Präsidenten Xi Jinping angespielt, wenn dieser Funktionäre zu mehr Engagement mahne.

Die chinesischen Behörden gehen seit zwei Jahren hart gegen Aktivisten und Anwälte vor. Medienberichten zufolge ist das Urteil gegen Wu das bislang härteste. Er war einer der ersten, der in Untersuchungshaft kam und erstmals im Sommer vor Gericht angehört wurde. Aufsehen erregte er in der Vergangenheit unter anderem mit Fotos von sich, auf denen er Messer schwingt. Damals warb er dafür, "die Schweine zu schlachten" und bezog sich damit auf lokale Funktionäre.

Menschenrechtler sprechen im Fall von Wu von einer politischen Verfolgung. Ihrer Ansicht nach ist es ironisch, dass der Aktivist bei seinem Einsatz für vier von der Justiz verfolgte Männer festgenommen wurde und er dabei – während sie vor einem Jahr entlastet wurden – seine Freiheit verlor.