Nach dem ersten Gespräch der Spitzen von Union und SPD hat sich der CDU-Politiker Peter Altmaier optimistisch gezeigt, dass eine Neuauflage der großen Koalition möglich ist. Das Bündnis sei erreichbar – "mit einem Programm, das die großen Zukunftsthemen des Landes adäquat anspricht", sagte der Kanzleramtschef der Süddeutschen Zeitung. Demnach sollen Pflege und Gesundheit ein Schwerpunkt der neuen Regierung werden. Zudem werde man mit der SPD etwa auch über Verbesserungen für Familien und Kinder oder den Internetausbau sprechen. Auch müsse die Zahl von 900.000 Langzeitarbeitslosen verringert werden.

Altmaier kündigte an, dass in den kommenden vier Jahren die Zahl der Wohnungsneubauten um 50 Prozent gesteigert werden solle, "weil wir glauben, dass der enorme Anstieg der Mieten darauf zurückgeht, dass bisher zu wenig Wohnungen gebaut werden – sowohl im privaten wie im sozialen Wohnungsbau". Damit geht Altmaier auf den möglichen Koalitionspartner, die Sozialdemokraten, zu und zieht eine erste Lehre aus dem schlechten Wahlergebnis für die Union: Es fehle an einem sozialpolitischen Profil. Die CDU müsse "bestehende Probleme" lösen.

Zugleich sprach sich der Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel dafür aus, dass höhere Einnahmen des Staates nicht über Steuererhöhungen, sondern Wirtschaftswachstum erreicht werden sollten. Er halte ein Wachstum von zwei Prozent in den kommenden Jahren für möglich. Wie die Union will auch die SPD Steuern senken, sogar in ähnlichem Umfang – allerdings wollen die Sozialdemokraten diese im Gegenzug für Spitzenverdiener erhöhen. Die Union lehnt das ab. Ein weiterer Streitpunkt zwischen beiden Parteien dürfte die mögliche Einführung einer Bürgerversicherung sein. Auch das lehnen CDU und CSU ab.

Vertreter von Union und SPD hatten sich am Mittwoch getroffen, um Termine und Themen für die Sondierungen im Januar zu besprechen. Demnach werden die Gespräche am 7. Januar beginnen und sollen am 12. beendet sein. Alle drei Parteien werden etwa zwölf Verhandler zu den Sondierungen schicken. CDU-Generalsekretär Peter Tauber wird nicht Teil des Verhandlungsteams sein, weil er sich wegen einer Erkrankung operieren lassen muss, wie er der Fuldaer Zeitung sagte. Die Sozialdemokraten beharren darauf, dass sie auch über andere Formen einer Zusammenarbeit als eine feste Koalition sprechen wollen. Die CDU strebt dagegen eine klassische Koalition an.