Die Spitzen von Union und SPD haben sich nach siebenstündigen Gesprächen auf den Ablauf der Sondierungsgespräche verständigt. "Am 7. Januar 2018 werden wir mit der ersten Sondierungsrunde beginnen, weitere Gespräche folgen vom 8. bis 11. Januar 2018 mit dem Ziel, zum 12. Januar 2018 ein Ergebnis vorzulegen, das in den Parteigremien und Fraktionen beraten werden wird", heißt es in der gemeinsamen Mitteilung. Die drei Parteien vereinbarten, über 15 Themenblöcke zu sprechen. An erster Stelle werden Finanzen und Steuern genannt, es folgen unter anderem Wirtschaft, Energie, Familie sowie Migration und Integration.

"Das war ein gutes Gespräch in vertrauensvoller Atmosphäre", erklärten die Parteien. An der Beratungsrunde waren unter anderem Kanzlerin Angela Merkel (CDU), CSU-Chef Horst Seehofer und SPD-Chef Martin Schulz beteiligt sowie die Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder (CDU), Andrea Nahles (SPD) und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt.

Die SPD will dann am 21. Januar auf einem Sonderparteitag die Ergebnisse bewerten und über den Einstieg in Koalitionsgespräche entscheiden. Der Parteitag war zuletzt um eine Woche verschoben worden. Als Grund nannte der SPD-Vorsitzende den Wunsch der CSU, nicht vor einer Klausur der CSU-Bundestagsabgeordneten vom 4. bis 6. Januar im bayerischen Kloster Seeon mit den Sondierungsgesprächen zu beginnen.

Eine erneute große Koalition ist in den Reihen der Sozialdemokraten höchst umstritten. Experten rechnen damit, dass die Parteispitze noch große Überzeugungsarbeit leisten muss, damit die Delegierten auf dem Parteitag der Aufnahme von Koalitionsverhandlungen zustimmen. Zuletzt hielt sich die SPD noch drei Varianten offen: eine Fortsetzung der großen Koalition, eine Teilkoalition mit Zusammenarbeit bei einigen Kernpunkten sowie die Tolerierung einer CDU/CSU-Minderheitsregierung. Merkel will nur mit dem Ziel einer echten Koalition sondieren.

Der Amtsantritt einer neuen Regierung könnte sich im Fall erfolgreicher Verhandlungen bis ins Frühjahr hinziehen. "Ich gehe davon aus, dass wir es Ostern schaffen können", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, dem ZDF. Der Ostersonntag fällt in diesem Jahr auf den 1. April. Die Verhandlungen dauern inzwischen mehr als drei Monate an. Nie hat die Regierungsbildung länger gedauert. Der bisherige Rekord von 2013, als 86 Tage bis zur Vereidigung der neuen Regierung vergingen, wurde am Dienstag eingestellt.