Der bayerische Finanzminister Markus Söder soll Horst Seehofer nächstes Jahr als Ministerpräsident beerben. Das entschied der CSU-Parteitag in Nürnberg fast einstimmig in einer offenen Abstimmung, bei einigen wenigen Gegenstimmen. Die offizielle Übergabe soll im ersten Quartal 2018 sein: Dann will Seehofer sein Amt abgeben und Söder soll im Landtag zum neuen bayerischen Ministerpräsidenten gewählt werden. "Ich werde mich mit ganzer Kraft, mit ganzer Leidenschaft für dieses Land und die CSU einsetzen", versprach Söder unter großem Applaus.

Söder nannte eine Fortsetzung der Alleinregierung als Wunschziel: Bayern sei "wie ein großer Baum: Tiefe Wurzeln in der Tradition, aber unsere Äste wachsen nach oben", sagte der 50-Jährige und fügte hinzu: "Diesen bayerischen Baum hat die CSU gepflanzt. Wir wollen ihn auch weiter pflegen – und am allerliebsten allein. Das ist unser Anspruch." In Umfragen war die CSU auf bis zu 37 Prozent abgesackt. Erst in der jüngsten Erhebung kommt die Partei wieder auf 40 Prozent. 

In einem Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio wollte sich Söder aber nicht auf das Ziel einer konkreten Prozentzahl für die CSU festlegen. Das sei angesichts "der Veränderungen, die unsere Demokratie durchmacht", auch "ziemlich überheblich". "Wir setzen jetzt keine Ziele. Wir wollen Bayern weiter prägen und wir wollen so stark wie möglich sein", sagte Söder. Er verwies dabei auf eine "Zersplitterung des bürgerlichen Lagers" auch in Bayern.

Auch bei der Bundestagswahl hatte die CSU starke Verluste hinnehmen müssen. Danach gab es eine Diskussion über einen Wechsel an der Spitze der Partei. Den bisherigen CSU-Chef Horst Seehofer bestätigte der Parteitag im Amt, allerdings mit seinem bisher schlechtesten Ergebnis. Schon vor dem Parteitag hatte die CSU-Führung vereinbart, dass Seehofer das Amt des Ministerpräsidenten abgeben soll und nur noch Parteichef wird.

"Es hat uns ganz schön durchgeschüttelt", sagte Söder rückblickend auf das Jahr 2017 – und auch 2018 werde nicht viel leichter. Denn die Ausgangslage sei anders als bei früheren Wahlen: Die Lage in Berlin sei unklar, in den Umfragen sei noch "eine Menge Luft nach oben" und es gebe neue Wettbewerber im Parteiensystem. Er kündigte eine harte Auseinandersetzung insbesondere mit der AfD an.

Der Wahlkampf werde härter geführt werden als bei der Bundestagswahl. "Einen Wahlschlaf wird es nicht geben. Wir machen nächstes Jahr Wahlkampf", sagte Söder. Zwar sei die CSU eine Partei der Mitte, aber die demokratische Rechte gehöre auch dazu und müsse eingebunden werden. Die CSU stehe Söders Auffassung nach für Recht und Ordnung, konsequente Abschiebung abgelehnter Asylbewerber, eine deutsche Leitkultur sowie die Förderung von Wirtschaft, Bildung und Breitbandausbau.