Das freiwillige Rückkehrerprogramm der Bundesregierung für Migranten stößt nur auf geringes Interesse. Bislang seien in dem neuen Beratungszentrum in Tunesien knapp 600 Personen beraten worden, unter ihnen 21 Rückkehrer aus Deutschland, teilte eine Sprecherin des Bundesentwicklungsministeriums mit. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hatte bei der Eröffnung des Zentrums im März angekündigt, dass bis Jahresende 2.000 Menschen beraten werden sollen. 

Das Programm Perspektive Heimat des Ministeriums unterstützt Rückkehrer dabei, in ihren Heimatländern wieder neu anzufangen. In Beratungszentren in den Heimatländern erhalten sie Informationen über Aus- und Weiterbildungen und Hilfe bei der Jobsuche. Auch Menschen, die sich noch nicht auf den Weg in Richtung Deutschland gemacht haben, können sich dort zu Arbeitsmöglichkeiten in ihrer Heimat oder legaler Einwanderung nach Deutschland informieren. 

Die Bundesregierung erhofft sich davon, dass sich mehr Migranten zur freiwilligen Rückkehr in ihre Heimat entscheiden, wenn ihnen dort Perspektiven geboten werden. Die Beratungszentren gibt es in Albanien, Kosovo, Serbien, Tunesien und Marokko – Länder, deren Bürger in Deutschland nur geringe Aussichten auf Asyl haben. Bis zum Jahresende sollen ähnliche Zentren auch in den westafrikanischen Staaten Nigeria, Ghana und Senegal eröffnen.

Linke spricht von "Placebo-Politik"

In dem im September neu eröffneten Zentrum in Marokko sind laut BMZ bislang 50 Personen beraten worden – unter ihnen sechs Rückkehrer aus Deutschland. Obwohl die erhoffte Nachfrage nach Beratung noch nicht ganz erreicht wurde, seien die Zentren in Tunis und Casablanca dabei, sich gut zu etablieren, sagte die BMZ-Sprecherin. In beiden Ländern seien durch die Programme nachweislich 224 Menschen in Beschäftigung gebracht worden.

Die Linken-Abgeordnete Heike Hänsel kritisierte die Zahlen als "Placebo-Politik". Mit solchen Zentren werde den Menschen in den betroffenen Ländern kaum geholfen, da sich nichts an der strukturellen Kluft zwischen Norden und Süden ändere.