Bundeskanzlerin Angela Merkel will sich bemühen, im neuen Jahr zügig eine stabile Regierung zu bilden. "Die Welt wartet nicht auf uns", sagte sie in ihrer vorab veröffentlichten Neujahrsansprache. Die Wähler hätten den Auftrag gegeben, sich um die Herausforderungen der Zukunft zu kümmern. Diesem Auftrag fühle sie sich verpflichtet, sagte sie. Es müssten jetzt die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, "dass es Deutschland auch in zehn, 15 Jahren gut geht", sagte die Kanzlerin.

Union und SPD wollen ab dem 7. Januar in großer Runde zu Sondierungsgesprächen zusammenkommen. Vorher trifft sich Merkel am 3. Januar zu einem Vorgespräch mit den Partei- und Fraktionschefs von SPD und CDU/CSU. Am Samstag forderte CSU-Chef Horst Seehofer, dass bis spätestens Ostern eine Regierung stehen müsse.

Eine erneute große Koalition ist bei vielen SPD-Mitgliedern unbeliebt, weshalb auch andere Modelle wie etwa einer von der Union gestellte Minderheitsregierung erwägt werden. Allerdings wird befürchtet, dass eine derartige Regierung instabil sein könnte.

Nach einem Jahr politischer Streitigkeiten und dem Einzug der AfD in den Bundestag rief die Kanzlerin zu mehr Zusammenhalt und Respekt in der Gesellschaft auf. "Dass wir uns wieder stärker bewusst werden, was uns im Innersten zusammenhält, dass wir wieder deutlicher das Gemeinsame in den Vordergrund stellen", sagte sie. Sie forderte die Bürger dazu auf, mehr Achtung vor dem anderen zu haben. "Und zwar Achtung im umfassenden Sinne: aufmerksam sein, wirklich zuhören, Verständnis aufbringen. Das sind meine Wünsche für das neue Jahr."  

Die Kanzlerin sprach verschiedene Themen, wie Arbeit, die Digitalisierung, mehr Hilfe für Familien und eine bessere Pflege an. "Wir werden noch mehr in einen starken Staat investieren müssen, der die Regeln unseres Zusammenlebens verteidigt und für Ihre Sicherheit, für unser aller Sicherheit, sorgt", sagte sie.

Auch den Zusammenhalt Europas erwähnte Merkel in ihrer Ansprache. Die Staaten in Europa müssten stärker denn je dazu bewogen werden, als eine Gemeinschaft zusammenzuhalten. Das sei die "entscheidende Frage der nächsten Jahre". Merkel setzt dabei vor allem auf Frankreich: Deutschland und der Nachbar wollten gemeinsam dafür arbeiten, dass es gelinge, Europa für die Zukunft "fit zu machen".