Vor den Gesprächen über eine mögliche Regierungsbildung hat Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) die SPD  zur verbalen Abrüstung aufgerufen. "Wir wollen eine große Koalition bilden. Das ist das Ziel", sagte Haseloff vor der CDU-Bundesvorstandssitzung in Berlin und fügte hinzu: "Es wäre wichtig, dass verbal abgerüstet wird." Die SPD wisse genau, "was mit der CDU und CSU nicht geht", so Haseloff. Dazu zählten etwa die Vision der Vereinigten Staaten von Europa und die Bürgerversicherung. "Wir brauchen keine sinnlosen Experimente", sagte Haseloff. Der CDU-Bundesvorstand kam am Abend in Berlin zu Beratungen über das schlechte Ergebnis der Bundestagswahl und den weiteren Weg zu einer Regierungsbildung zusammen.

Zugeständnisse müssten Union und SPD in jeder Koalition machen, sagte Haseloff weiter. Er sei sich aber sicher, dass es große Schnittmengen gebe. Zugleich kritisierte er die Aussage von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, die SPD bereite sich auch auf Neuwahlen vor. "Die SPD weiß um die Risiken für Neuwahlen", sagte Haseloff. Zudem sei der Bundespräsident zuständig, Neuwahlen anzusetzen.

Die Sozialdemokraten seien sehr, sehr gespalten, sagte Haseloff weiter und verwies etwa auf SPD-Abgeordneten, die durch Überhangmandate ins Parlament gekommen seien. Diese müssten fürchten, bei Neuwahlen wieder aus dem Bundestag zu fliegen, sagte Haseloff.

Klingbeil schließt Gespräche bis Mai nicht aus

Der SPD-Generalsekretär wollte sich derweil nicht auf einen Zeitrahmen für die Gespräche mit der Union festlegen. "Ich glaube, es wird 'ne Zeit dauern", sagte Klingbeil im ZDF. "Aber ich kann jetzt nicht sagen, dass es der März wird oder der April oder der Mai", so der Politiker.

Klingbeil verwies erneut darauf, dass es vor Koalitionsverhandlungen oder anderen Vereinbarungen einen SPD-Parteitag und ein Mitgliedervotum geben werde. Auch dieser Prozess könne mehrere Monate dauern, so Klingbeil. "Jamaika hat zwei Monate gebraucht und wir haben die Zeit jetzt auch, um unsere Basis mitzunehmen auf dem Weg und zu entscheiden, was die besten Inhalte wirklich für das Land sind", sagte er.