Die Vorsitzende der Grünen, Simone Peter, hat sich im Streit um die Zukunft der Partei gegen Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann gestellt. "Wir sind eine progressive, links verortete Kraft", sagte Peter den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Mir ist wichtig, dass wir das auch bleiben." Deshalb sollten im Bundesvorstand unterschiedliche Strömungen der Grünen repräsentiert sein. "Sonst drohen Ungleichgewichte, die unserer Partei nicht guttun", sagte sie. Es seien vor allem Parteilinke, die Themen wie Verteilungsgerechtigkeit in den Fokus rückten.

Kretschmann hatte seine Partei dazu aufgerufen, den Flügelproporz bei der Besetzung von Spitzenämtern zu beenden. "Es sollte eine Bestenauswahl geben, keine Flügelauswahl", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Kretschmann gehört dem Realo-Flügel an, Simone Peter dem linken Parteiflügel. Der Realo-Flügel in der Partei gilt traditionell als wirtschaftsfreundlicher und aufgeschlossener gegenüber Bündnissen mit der CDU und CSU.

Peter tritt auf dem Parteitag im Januar erneut als Chefin der Grünen an. Sie konkurriert mit der Bundestagsabgeordneten Annalena Baerbock aus Brandenburg, die zum Realo-Flügel zählt. Zu diesem wird auch Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck gezählt, der sich selbst aber als "flügellos" bezeichnet. Habeck bewirbt sich um den zweiten Chefposten. Er will Cem Özdemir ablösen, der nicht wieder als Grünen-Chef antritt. 

Habeck hatte gefordert, dass Politiker mit Regierungsverantwortung wie er selbst künftig gleichzeitig dem Bundesvorstand der Partei angehören dürfen sollen. Peter lehnt auch das ab. Die Grünen sollten "Macht teilen und daher auch die Trennung von Amt und Mandat beibehalten".