Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat den Vorschlag von SPD-Chef Martin Schulz, bis 2025 die Vereinigten Staaten von Europa zu schaffen, gegen Kritik verteidigt. Ganz häufig werde Politik dafür kritisiert, dass sie angeblich keine Visionen habe, sagte der SPD-Politiker in der ARD-Sendung Bericht aus Berlin. "Und jetzt hat mal jemand eine Idee – nämlich Martin Schulz die Idee, wie sich es mit Europa weiterentwickeln soll. Und dann fallen gleich alle über ihn her." Der Vorschlag ziele darauf ab, Europa zur Interessenvertretung der Bürgerinnen und Bürger in der Welt zu machen. "Das wäre wirklich nötig."

Auf Umfragen angesprochen, wonach der Vorschlag nur wenig Zustimmung finde, sagte Gabriel: "Wenn Sie die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland fragen: Sind Sie der Überzeugung, dass Europa in der Welt die Stimme sein muss für Freiheit und Menschenrechte, für fairen Handel, für Frieden, für Abrüstung, für Wiederaufbau, für die Bekämpfung des Hungers in der Welt? Dann werden ganz sicher weit mehr als 80, 90 Prozent sagen: Ja, das ist richtig."

Merkel setzt auf Reformen

Verteidigungsminister Ursula von der Leyen (CDU) sagte in der ZDF-Sendung Berlin direkt: "Ich finde diese Vision klasse. Aber es ist eine Vision, die vielleicht für die Generation meiner Enkelkinder dann auch realistisch ist." Schulz mache daraus einen Gewaltmarsch, wenn er sage, wer nicht mitgeht, der bleibt draußen. "Das ist eher eine Drohung und eine Spaltung, daher die Kritik", sagte die Ministerin. "So kann man Europa nicht anfassen." Vielmehr müsse man mit Vertrauen und Überzeugungskraft arbeiten.

Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel hatte den Vorstoß bereits am Donnerstag zurückgewiesen und stattdessen konkrete Reformen gefordert. Union-Fraktionschef Volker Kauder sagte dem Tagesspiegel, momentan sehnten sich die Menschen eher nach Verlässlichkeit, die sie auch in den Nationalstaaten zu finden glaubten. Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) sagte der Rheinischen Post, nachdem er das Scheitern eines europäischen Verfassungsvertrags in den Jahren 2002 und 2003 erlebt habe, sehe er ein solches Projekt als nicht realistisch an, vor allem nicht bis 2025. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff betonte, dass die Idee nicht Teil einer großen Koalition werden könne. Auch der designierte bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußerte sich ablehnend.

Schulz hatte beim SPD-Parteitag zu einer Stärkung der EU aufgerufen und als Zielmarke vorgeschlagen, spätestens 2025 die Vereinigten Staaten von Europa verwirklicht zu haben. Er wolle einen Verfassungsvertrag, der ein föderales Europa schaffe.