Die Schwedin Beatrice Fihn, die als Generalsekretärin der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (Ican) tätig ist, hat der Bundesregierung mangelnden Einsatz im Kampf gegen nukleare Waffen vorgeworfen. Im Gespräch mit dem ZEITmagazin bezeichnete Fihn Deutschland als "Teil des Problems": "Wenn sogar Deutschland, ein Land, das sich offiziell zur atomaren Abrüstung bekennt, gegen unseren UN-Verbotsvertrag stimmt, frage ich mich, wie es uns gelingen soll, Nordkorea zu überzeugen."

Ican ist ein Bündnis aus 450 Friedensgruppen und Organisationen, die sich seit Jahren für nukleare Abrüstung engagieren. Der größte Erfolg der Kampagne mit Sitz in Genf ist der UN-Vertrag zum Verbot von Atomwaffen, der im Juli vergangenen Jahres in New York unterzeichnet wurde. Inzwischen wird der Vertrag von 122 Staaten unterstützt, nicht aber von Deutschland. Das Abkommen verbietet Herstellung, Besitz, Einsatz und Lagerung von Atomwaffen. Im Herbst 2017 wurde Ican für ihr Engagement gegen Atomwaffen mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Beatrice Fihn nahm die Auszeichnung stellvertretend entgegen.

"Waffen, deren Ziel es ist, ganze Städte unbewohnbar zu machen"

Dass die Bundesregierung den von der Ican initiierten Vertrag nicht mittrage, bedauert Fihn. Deutschland mache sich damit zu einem "Teil eines Systems, in dem diese Waffen, deren Ziel es ist, ganze Städte unbewohnbar zu machen und so viele Menschen wie möglich in kürzester Zeit zu töten, als akzeptabel gelten".

Auch Sascha Hach, ebenfalls Ican-Vorstandsmitglied, hatte der Bundesregierung bereits vorgeworfen, die politische Bedeutung des Verbotsvertrages völlig zu verkennen. Mit dem Boykott der Vertragsverhandlungen habe die Bundesregierung "mit der abrüstungspolitischen Tradition Deutschlands gebrochen und ist ihrer globalen Verantwortung nicht gerecht geworden".