Die drei Bundestagsausschüsse, in denen die AfD den Vorsitzenden stellen kann, stehen fest. Die Fraktionsführungen im Bundestag einigten sich darauf, dass die AfD den Vorsitz im Haushaltsausschuss, im Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz sowie im Tourismusausschuss stellen kann.

Für den Vorsitz des Haushaltsausschusses nominierte die Fraktion den Finanzfachmann Peter Boehringer. Für den Vorsitz des Rechtsausschusses war der bisherige Oberstaatsanwalt Roman Reusch im Gespräch, die Fraktion nominierte dann aber den Thüringer Juristen Stephan Brandner als Vorsitzenden. Reusch wurde rechtspolitischer Sprecher der Fraktion. Den Ausschuss für Tourismus soll der rheinland-pfälzische Abgeordnete Sebastian Münzenmaier leiten, der bis 2012 Mitglied der rechten Partei Die Freiheit war.

Brandner gehört zum innerparteilichen Lager um den Thüringer Nationalisten Björn Höcke. Er sagte nach der Abstimmung, er wolle als Ausschussvorsitzender professionell agieren, dies bedeute aber nicht, dass er zum "politischen Eunuchen" werde. Reusch war in der vergangenen Woche als Kandidat der AfD-Fraktion für einen Sitz im Kontrollgremium für die Geheimdienste durchgefallen. Ihm wird vorgeworfen, sich mit scharfen Worten und pauschalisierend über Kriminalität von Migranten geäußert zu haben. Reusch sagte, Brandner sei im Rahmen einer "einverständlichen Lösung" nominiert worden. Es habe keine Kampfabstimmung gegeben.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Fraktion, Bernd Baumann, erinnerte daran, dass "das unglückliche NetzDG" in die Kompetenz des Rechtsausschusses fällt. Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz verpflichtet Betreiber von sozialen Netzwerken, "offensichtlich strafbare" Inhalte kurzfristig zu löschen. Die AfD sieht das Gesetz als staatliche Zensur. Auch Vertreter anderer Fraktionen hatten Nachbesserungsbedarf angemeldet.

Ob die Ausschüsse die Nominierten dann tatsächlich zu Vorsitzenden wählen, wird sich bei den konstituierenden Sitzungen zeigen. Die sind voraussichtlich für den 31. Januar angesetzt.  

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Die AfD-Fraktion beschloss zudem, welche Abgeordneten sie in welchen der 23 Ausschüsse entsenden will. Insgesamt hat sie 102 Ausschusssitze und ebenso viele Stellvertreterposten zu vergeben, wobei ihr jeweils zwischen zwei und sechs Abgeordnete zustehen. Fraktionsvize Beatrix von Storch soll für die AfD in den Untersuchungsausschuss zum Fall Anis Amri gehen, der mögliches Behördenversagen im Zusammenhang  mit dem Terroranschlag vom Berliner Breitscheidplatz aufarbeiten soll. Zehn der AfD-Abgeordneten sind in zwei Ausschüssen vertreten.

In den Ausschuss für Recht und Verbraucherschutz entsendet die AfD vor allem Juristen. Der umstrittene Dresdner Richter Jens Maier ist unter ihnen, der Thüringer Rechtsanwalt Brandner, der bayerische Wirtschaftsjurist Matthias Peterka und der Rechtsfachmann Fabian Jacobi aus NRW. Maier und Brandner gehören zu dem innerparteilichen Lager um den Thüringer Nationalisten Björn Höcke.

Die Einigung über die Aufteilung der Vorsitze wurde nicht wie bisher einvernehmlich im Ältestenrat getroffen. Vielmehr verständigten sich die Fraktionsspitzen darauf, den Zugriff auf die Vorsitzposten nach dem Sainte-Lague/Schepers-Verfahren zu ermitteln. Dabei dürfen die Fraktionen nach einem bestimmten Schlüssel reihum wählen, in welchem Ausschuss sie den Vorsitz stellen wollen.

Auf den ursprünglich von der AfD auch angestrebten Vorsitz des Kulturausschusses griff dabei offenbar eine andere Fraktion zu, bevor die AfD ihn sich sichern konnte. Als Mitglieder im Kulturausschuss sind nach wie vor der baden-württembergische Abgeordnete Marc Jongen im Gespräch, weiterhin beansprucht der NRW-Parlamentarier Martin Renner einen Sitz für sich. Jongen hatte den Ausschussvorsitz angestrebt. Dagegen hatten Kulturschaffende öffentlich protestiert, da es in dem Ausschuss auch um Erinnerungspolitik geht und es in der Partei salonfähig ist, das Holocaust-Mahnmal als "Denkmal der Schande" zu bezeichnen

Auch die anderen Fraktionen sicherten sich den Vorsitz in verschiedenen Ausschüssen. Die Union reklamierte unter anderem die Leitung des Innenausschusses für sich, die SPD den Vorsitz des Ausschusses für Arbeit und Soziales und des Verteidigungsausschusses, die FDP sicherte sich den Finanzausschuss. Die Grünen bekommen Verkehr und Umwelt. Die Linken übernehmen die Leitung bei Wirtschaft und Energie sowie beim Ausschuss für Familie.