Die deutsch-türkischen Konsultationen sollen laut einem Zeitungsbericht wieder aufgenommen werden. Unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet die Welt, dass sich Vertreter des Innenministeriums und ranghohe türkische Beamte am heutigen Mittwoch zu gemeinsamen Beratungen treffen wollten. Dabei solle es auch um den Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) gehen.

Deutschland sei Ausgangspunkt und Ziel dschihadistischer Terroristen, deren Reisewege nach und von Syrien über die Türkei führen, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums. Außerdem sei die Türkei wiederholt Ziel massiver Anschläge geworden. Es sei notwendig, enger mit der Türkei zusammenzuarbeiten.

Die Beziehungen zwischen den beiden Nato-Staaten hatten sich in den vergangenen Monaten negativ entwickelt: Dazu beigetragen haben etwa politische Entscheidungen in Deutschland, aber auch die Menschenrechtslage in der Türkei. Nach dem gescheiterten Putschversuch verhängte die türkische Regierung den Ausnahmezustand und rief "Säuberungen" aus. Seitdem wurden mehr als 50.000 Menschen inhaftiert, unter ihnen auch deutsche Staatsbürger. Zudem entließ oder suspendierte der Staat mehr als 150.000 Staatsbedienstete. Vertreter der EU zeigen sich zunehmend besorgt über die Lage in dem Land. Sie kritisieren, die Türkei entferne sich von der Rechtsstaatlichkeit, was das Land zurückweist.

Besonders verärgert zeigte sich die Türkei darüber, dass Staatsbeamte des Landes in Deutschland Asyl beantragen. Den Informationen des Welt-Berichtes nach stellten zwischen Januar und November 2017 insgesamt 7.952 türkische Staatsangehörige in der Bundesrepublik einen Antrag. Darunter befinden sich laut Innenministerium 3.953 Personen, die Kurde als Volkszugehörigkeit angaben. Im selben Zeitraum beantragten zudem 622 türkische Spitzenbeamte, Militärs und Diplomaten sowie deren Angehörige Asyl.

Wegen des Streits wurden nach Angaben von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) viele Rüstungsexporte in das Land gestoppt. Das Auswärtige Amt verschärfte zudem mehrfach seine Reise- und Sicherheitshinweise. Zuletzt kehrte aber wieder etwas Ruhe in die Streitigkeiten ein. Kritiker der türkischen Führung wurden freigelassen, so auch einige deutsche Staatsangehörige. Die Bundesregierung hatte Anfang Dezember noch darüber nachgedacht, die Türkei auf eine Liste von Staaten mit besonderen Sicherheitsrisiken zu setzen – neben China, Russland und Nordkorea.