Kurz vor Beginn der Sondierungen über eine mögliche Neuauflage der großen Koalition trifft ein solches Bündnis bei den Bundesbürgern auf starke Vorbehalte. Nach Angaben des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap, das für den sogenannten ARD-DeutschlandTrend 1.006 wahlberechtigte Deutsche befragt hat, finden 52 Prozent ein solches Bündnis weniger gut oder schlecht. 45 Prozent bewerten eine Koalition aus CDU/CSU und SPD hingegen als sehr gut oder gut.

Unionsanhänger für neue Koalition mit SPD

Dieser Wert lag vor wenigen Wochen deutlich höher: Kurz nach dem SPD-Parteitag im Dezember, bei dem sich die Delegierten für "ergebnisoffene Gespräche" mit der Union ausgesprochen hatten, lag die Zustimmung für eine große Koalition in der gleichen Umfrage noch bei 61 Prozent. Der aktuelle Zustimmungswert von 45 Prozent liegt auf einem vergleichbaren Niveau wie im Vorfeld der Bundestagswahl.

Auf große Zustimmung stößt eine große Koalition jedoch bei den Anhängern von CDU und CSU: Von ihnen fänden 68 Prozent ein Bündnis aus Union und SPD sehr gut oder gut, 30 Prozent weniger gut oder schlecht. Die SPD-Anhänger sind in der Frage hingegen gespalten: 50 Prozent fänden eine Koalition aus Union und SPD sehr gut oder gut, 49 Prozent weniger gut oder schlecht.

Wie die Befragung ebenfalls ergab, wird eine vorgezogene Neuwahl in der Bevölkerung wieder populärer. Sollte es nicht zu einer Neuauflage der großen Koalition kommen, sprechen sich 42 Prozent der Befragten (minus neun im Vergleich zum Vormonat) für eine Minderheitsregierung der Union aus, 54 Prozent (plus neun) für eine Neuwahl.

"Merkel hat beste Zeit hinter sich"

Nach einem neuen Regierungschef oder einer neuen Regierungschefin verlangt nur eine Minderheit. Stattdessen findet es eine Mehrheit von 53 Prozent der Befragten sehr gut beziehungsweise gut, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) weiter im Amt bleibt (minus drei Prozent im Vergleich zum Vormonat). 45 Prozent fänden eine erneute Kanzlerschaft Merkels weniger gut beziehungsweise schlecht (plus zwei).

Damit sinken die Zustimmungswerte für die Kanzlerin und CDU-Chefin aber zusehends. 65 Prozent der Befragten halten Merkel zwar für eine gute Bundeskanzlerin. Fast ebenso viele Befragte, 67 Prozent, finden allerdings, dass sie ihre besten Zeiten als Bundeskanzlerin hinter sich hat. Zudem befürworten 75 Prozent der Befragten eine grundsätzliche personelle Erneuerung der CDU.

Gleichwohl bleiben CDU und CSU in der sogenannten Sonntagsfrage stärkste Kraft. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würde die Union demnach 33 Prozent der Stimmen erringen. Die SPD käme auf 21 Prozent, die AfD auf 13 Prozent. Die Grünen erreichten elf Prozent und FDP und Linke kämen auf je neun Prozent.