Die französische Nationalversammlung und der Deutsche Bundestag begehen den 55. Jahrestag des Élysée-Vertrags. An diesem Montag werden – vormittags in Berlin und nachmittags in Paris – die Abgeordneten eine gemeinsame parlamentarische Entschließung debattieren. Wir haben ein gutes und gemeinsames Ziel: Es geht um die Ausarbeitung eines neuen deutsch-französischen Freundschaftsvertrages binnen Jahresfrist.

Charles de Gaulle und Konrad Adenauer bewiesen Kühnheit, Mut und Weitblick, als sie, weniger als zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die Versöhnung zwischen unseren beiden Ländern besiegelten und damit einem knappen Jahrhundert voller Konflikte ein Ende setzten. Sie waren dort erfolgreich, wo Aristide Briand und Gustav Stresemann – Baumeister eines Sicherheitsgefüges, das auf der Annäherung von Deutschland und Frankreich beruhte – noch keine dauerhaften Strukturen errichten konnten.

Diese Vergangenheit wirft ein Licht auf den Weg, den wir künftig beschreiten müssen, und verpflichtet uns zugleich. Wir sind Empfänger dieses Erbes, und uns wird die Pflicht auferlegt, dieses Erbe zu schützen und zu pflegen für unsere beiden Länder und für Europa.

Die zur Debatte stehende Entschließung ist von einer Gruppe von deutschen und französischen Abgeordneten verfasst worden, die sich seit Langem für die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern engagieren. Eine große Zahl von politischen Gruppierungen und Fraktionen unserer beiden Parlamente war daran beteiligt.

Die vertiefte deutsch-französische Partnerschaft, für die die Verfasser der Entschließung plädieren, soll das tägliche Leben unserer Mitbürger verbessern und zugleich die Rolle Europas auf der internationalen Bühne stärken, um globalen Herausforderungen zu begegnen.

Das Leben der Deutschen und der Franzosen in den Grenzregionen wollen wir erleichtern, indem die grenzüberschreitenden Eurodistrikte weitergehende Zuständigkeiten bekommen, um neue Lösungen in den Bereichen Bildung, Sozialwesen, Beschäftigung und Sicherheit zu ermöglichen.

François de Rugy ist Vorsitzender der Nationalversammlung Frankreichs und Mitgründer der Partei Parti écologiste. © Joel Saget / AFP/Getty Images

Wir wollen dazu beitragen, dass wieder mehr Schülerinnen und Schüler die Sprache des anderen Landes lernen – durch mehr Austauschmöglichkeiten für Schüler, Studenten und Auszubildende und durch mehr Unterstützung für zweisprachige Schulen in Deutschland und Frankreich.

Unsere Sicherheits- und Verteidigungspolitik soll noch stärker verzahnt werden. Es soll eine gemeinsame diplomatische und strategische Kultur entstehen. Das wird unseren beiden Ländern – und eines Tages Europa – erlauben, mit einer starken Stimme auf der internationalen Bühne zu sprechen.

Unsere Partnerschaft muss eine Vertiefung und Verstärkung der Wirtschafts- und Währungsunion ermöglichen und ihre Stabilität gewährleisten. Die Konvergenz unserer Sozialmodelle wollen wir weiter stärken. Wir wollen die Voraussetzungen verbessern, dass Europa ein globaler Akteur auf dem Markt zukunftsweisender Innovationen bleibt. Deutschland und Frankreich sollen Spitzenpositionen in den Bereichen künstliche Intelligenz und Digitalisierung einnehmen. Kluge Köpfe unserer Länder sollen die Airbus- und Ariane-Unternehmen von morgen gründen.

Die Assemblée nationale und der Deutsche Bundestag werden nach dem Willen ihrer Abgeordneten neue Möglichkeiten zur Zusammenarbeit ausloten. So werden die Abgeordneten an Sitzungen im Partnerparlament teilnehmen können, insbesondere an Ausschusssitzungen. Die Mehrheiten unsere Parlamente werden ihre Verfahren und Positionen mit Blick auf die europäische Ebene abstimmen.

Indem wir die deutsch-französische Partnerschaft voranbringen, bringen wir Europa voran.  

Es liegt an unseren beiden Ländern, ihrer historischen Verantwortung gerecht zu werden und der Europäischen Union den Schwung zu verleihen, den sie heute braucht. Dies ist der Inhalt der Botschaft, die die Assemblée nationale und der Deutsche Bundestag im Namen unserer Völker aussenden.