Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich während seiner Reise durch Jordanien für einen differenzierteren Umgang mit Fluchtgründen ausgesprochen. Es müsse deutlich zwischen der Flucht vor Krieg und Verfolgung sowie Migration aus wirtschaftlichen Gründen unterschieden werden, sagte Steinmeier der jordanischen Tageszeitung Al Ghad.

"Politisch Verfolgte genießen Asylrecht oder Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention", sagte der Bundespräsident. Auch wer vor einem Bürgerkrieg fliehen müsse, könne Schutz erhalten. Wer aber auf der Suche nach einem wirtschaftlich besseren Leben sei, der habe nicht dasselbe Recht auf Aufnahme in Deutschland. Um den politisch Verfolgten auch in Zukunft gerecht werden zu können, müsse diese Unterscheidung klar getroffen und ernst genommen werden.

Jordanien lobte Steinmeier als einen "wertvollen Anker der Stabilität" im Nahen Osten und würdigte das Engagement der Regierung in der Flüchtlingsfrage. Das Land nehme seine Rolle "mit bemerkenswerter Umsicht wahr" und zeige sich großzügig und hilfsbereit. Insgesamt leben in Jordanien derzeit mehr als 600.000 Flüchtlinge.

Am Montag wird Steinmeier ein jordanisches Flüchtlingscamp besuchen, in dem sich etwa 30.000 Menschen aufhalten, die vor dem Krieg in Syrien geflohen sind. Auch den Militärstützpunkt Al-Asrak, an dem rund 300 Bundeswehrsoldaten stationiert sind, wird der Bundespräsident aufsuchen, bevor er gemeinsam mit seiner Ehefrau Elke Büdenbender weiter in den Libanon reist.