Die Partei- und Fraktionsspitzen von CDU, CSU und SPD haben bei ihren Sondierungen über eine Fortsetzung der großen Koalition einen Durchbruch erzielt. Eine endgültige Einigung hänge aber noch von der Zustimmung beider Sondierungsgruppen ab, hieß es. Das vorläufige Sondierungspapier hat einen Umfang von 28 Seiten.

Die für neun Uhr geplante Sitzung des CDU-Präsidiums entfällt nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Sitzung des CDU-Bundesvorstands soll um elf Uhr stattfinden.

Die Parteichefs, Kanzlerin Angela Merkel (CDU), Martin Schulz (SPD) und Horst Seehofer (CSU), hatten die Verhandlungen am Donnerstag gegen 9.30 Uhr fortgesetzt. Die ganze Nacht durch war verhandelt worden. Zunächst war es in den Gesprächen stundenlang um die zentralen Themen Migration sowie Finanzen und Steuern gegangen.

Dem Vernehmen nach wurde über die Finanzierung verschiedener kostspieliger Projekte in der Steuer-, Sozial- und Gesundheitspolitik debattiert. Obwohl grundsätzlich von einem finanziellen Spielraum von 45 Milliarden Euro für eine künftige Regierung ausgegangen worden war, summierten sich die Kosten für die in den Arbeitsgruppen ausgearbeiteten Einzelvorhaben noch am Donnerstagvormittag auf rund das Doppelte.

Mehrere Unterhändler hatten in der Nacht kurzzeitig den Verhandlungsort verlassen, um sich von den stundenlangen Verhandlungen zu erholen. Lange Zeit war aus den Gesprächen zu hören gewesen, es sei alles offen – auch ein Scheitern war bis zuletzt nicht ausgeschlossen worden, obwohl bereits seit Stunden an einem Ergebnispapier gearbeitet wurde.

Nach den Ergebnissen bei der Bundestagswahl dürfte die Hürde für die SPD-Spitze besonders hoch sein. Sie braucht für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen die Zustimmung eines Parteitags am 21. Januar in Bonn. Die SPD-Spitzen, allen voran Martin Schulz, wollen in den nächsten Tagen bei der Parteibasis für eine Neuauflage der ungeliebten großen Koalition werben. Die Jusos wollen dagegen Widerstand mobilisieren. Auch Juso-Chef Kevin Kühnert tourt deswegen durch mehrere SPD-Landesverbände.

Lesen Sie hier, was in der langen Verhandlungsnacht passierte.

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