Die erste Runde der Koalitionsverhandlungen zwischen CDU, CSU und SPD ist ohne Einigung beim Thema Migration zu Ende gegangen. Die Spitzen der drei Parteien konnten sich nach Angaben aus Teilnehmerkreisen noch nicht auf eine Regelung beim Familiennachzug für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutzstatus einigen. Die Gespräche in der CDU-Zentrale in Berlin wurden in der Nacht nach knapp neun Stunden vorerst vertagt. Aus Verhandlungskreisen hieß es, es solle nun zunächst auf Fachebene weiter über Lösungsmöglichkeiten gesprochen werden.

"Es wird hart gearbeitet und auch intensiv um Lösungen gerungen", sagte CDU/CSU-Parlamentsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer nach Abschluss der Gespräche mit Blick auf die langen und schwierigen Verhandlungen. "Wir haben sehr intensiv diskutiert über Arbeitsmarktpolitik, Migrationspolitik und Gesundheitspolitik." Diese "Arbeit und die Diskussion gehen weiter", fügte er hinzu.

Maßgebliche Fortschritte wurden allerdings offensichtlich vor allem beim Thema Migration nicht erzielt. Die SPD pocht besonders auf eine zusätzliche Härtefallregelung für Flüchtlinge. CDU und CSU wollen verhindern, dass mehr Flüchtlinge ihre sogenannte Kernfamilie nachholen können. Dabei handelt es sich um Ehepartner sowie minderjährige Kinder beziehungsweise bei Minderjährigen um deren Eltern.

Union will Bundestagsbeschluss bis Donnerstag

Die SPD hatte auf ihrem Parteitag vor einer Woche Forderungen nach Nachbesserungen an den mit der Union ausgehandelten Sondierungsergebnissen beschlossen. Neben dem Familiennachzug geht es dabei um die Abkehr von sachgrundlosen Befristungen sowie die Eindämmung der Zwei-Klassen-Medizin. Auch mit diesem Anliegen stößt die SPD bei CDU und CSU auf Widerstand.

Beim Thema Familiennachzug ist allerdings der Zeitdruck am größten. Nach dem Willen der Union soll der Bundestag bereits am Donnerstag über eine Verlängerung der geltenden Aussetzung des Nachzugsanspruchs für Flüchtlinge mit dem eingeschränkten subsidiären Schutz entscheiden. Diese Aussetzung liefe sonst Mitte März aus.

Die Verhandlungsrunde hatte am Sonntagnachmittag mit einem Treffen der Parteichefs von CDU, CSU und SPD, Angela Merkel, Horst Seehofer und Martin Schulz begonnen. Gegen 20 Uhr kam dann eine größere Runde von insgesamt 15 Spitzenpolitikern der drei Parteien zusammen. Zudem gab es das ganze Wochenende über Verhandlungen in Arbeitsgruppen zu unterschiedlichen Sachfragen. Die Koalitionsverhandlungen sollen möglichst bis zum 4. Februar abgeschlossen werden.