Die Konservativen hingegen, die seit Jahrzehnten mit Absicht die Begriffe vermengen, sind angesichts der Gefahr von rechts alles andere als cool geblieben und helfen eifrig dabei mit, siehe Alexander Dobrindt, die Ängste der Menschen zu schüren. Gleichzeitig hält sich in der Union hartnäckig die Aussage, dass man ein Einwanderungsgesetz nicht brauche.

Von den bürgerlichen Jamaika-Parteien steht die FDP am Anfang des Jahres 2018 daher am besten dar: Sie hat die vergangenen vier Jahre außerhalb des Bundestags genutzt, um das neu zu justieren, was liberal bedeutet. Und in jedem Fall war der Redebeitrag des FDP-Vorsitzenden Christian Lindner zum Dreikönigstreffen der Partei um ein Vielfaches konstruktiver als das, was aus bayerisch-christsozialem Munde zu Jahresbeginn verkündet wurde. Für die Konservativen ist nun der Moment gekommen, zu kontemplieren, was die Nicht-Diskussion von drei Bundestagswahlergebnissen mit der Partei gemacht hat: einen Apparat ohne Mission und Aufgabe.

Deutschland braucht keine "konservative Revolution", von der man nur annehmen kann, dass ihre Absicht darin besteht, den Prenzlauer Berg niederzubrennen und die Bürgerrechte zu schleifen wie in Ungarn oder Polen. Zwölf Jahre hatten die Konservativen Zeit, das Land für ihre Vision zu begeistern und mitzunehmen. Das ist ihnen nicht gelungen, weil sie kein Projekt hatten. An der Spitze von CDU und CSU muss es daher zügig zu einem Wechsel kommen. Die echten Bürgerlichen sind nun die Liberalen und die Habeck-von-Notz-Grünen. Beide Parteien haben zwar widerstrebende Gesellschaftsbilder, aber zur selben Zeit auch mehr als nur einen Hauch überschneidende Ansichten. Die wahre Debatte und spannende Reibung des neuen Bürgerlichen spielt sich zwischen diesen Parteien ab. Der Rest ist abgemeldet.