Der neue Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Helmut Holter, hat einen Schüleraustausch zwischen Ost- und Westdeutschland vorgeschlagen. "Wir brauchen nicht nur Schülerprojekte im Austausch mit Polen oder Frankreich, sondern auch zwischen Leipzig und Stuttgart", sagte der thüringische Bildungsminister (Linke) den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Das könne helfen, den innerdeutschen Dialog zu fördern. "Ich bin der Überzeugung, dass Ost und West viel zu wenig miteinander reden über das, was war und was heute ist", sagte Holter. "Ostdeutsche Erfahrungen müssen in den Westen gebracht werden und umgekehrt."

Der thüringische Bildungsminister leitet 2018 die Kultusministerkonferenz der Länder. Er hat Demokratiebildung zum Schwerpunkt seiner Amtszeit erklärt. Demokratie müsse täglich gelernt und gelebt werden, sagte Holter. "Wir müssen sie immer wieder auf den Schild heben und verteidigen."

Gerade junge Leute spielten dabei eine große Rolle, so Holter. Am Montag übernimmt er das Amt offiziell von seiner baden-württembergischen Kollegin Susanne Eisenmann (CDU).

Bildungskompetenz der Länder auf der Kippe

Ein Thema der KMK in Holters Amtszeit dürfte auch die Bildungshoheit der Länder sein – eigentlich der Grund, warum das Gremium überhaupt existiert. Zu Anfang des Jahres hatten Bildungspolitiker in einem Brief an die Kultusminister die "fehlende Vergleichbarkeit" zwischen den Bildungssystemen in Deutschland kritisiert und ein bundesweites Zentralabitur gefordert.

"Oft entscheidet nicht die Leistung, sondern die regionale Herkunft", ob etwa ein Abiturient einen Studienplatz bekommt oder nicht, heißt es in dem Schreiben von Michael Voges (SPD), Burkhard Jungkamp (SPD) und Josef Lange (CDU), die jahrelang selbst in der KMK saßen.

Sollte auf Grundlage der Sondierungsergebnisse von Union und SPD eine weitere große Koalition zustande kommen, stünde außerdem das Kooperationsverbot auf der Kippe. Der Bund könnte dann in die Finanzierung der Schulen eingreifen, was bisher allein den Ländern vorbehalten war.