Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat Ermittlungen gegen fünf ehemalige SS-Wachmänner des Konzentrationslagers Buchenwald aufgenommen. Den Beschuldigten wird Beihilfe zum Mord vorgeworfen, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der taz bestätigte. Sie sind zwischen 92 und 96 Jahre alt und leben in Thüringen, Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und dem Rheinland. Bisher sind sie noch nicht zu den Vorwürfen vernommen worden.

Grundlage für das Verfahren sind Recherchen der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg. Deren Leiter Jens Rommel sagte, dass die Beschuldigten in der "Spätphase" des NS-Regimes in Buchenwald tätig waren. Das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar war eines der größten Konzentrationslager in Deutschland. Von 1937 bis zum April 1945 waren dort und in den 139 Außenlagern fast 280.000 Menschen inhaftiert, von denen rund 56.000 ermordet wurden.

Zusammen mit den neuen Erfurter Verfahren hat die Zentrale Stelle in den letzten Monaten 14 Ermittlungen an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben. Für die Recherchen hat die Zentrale Stelle Listen ehemaligen SS-Personals in Konzentrationslagern abgeglichen und nachgeforscht, ob die Betroffenen noch am Leben sind.

Weitere Recherchen geplant

Rechtliche Grundlage der Recherchen ist eine neue Rechtsauffassung von 2016. Demnach können ehemalige KZ-Beschäftigte auch dann wegen Beihilfe zum Mord verurteilt werden, wenn ihnen keine individuellen Taten nachgewiesen werden können.

Laut Rommel betreibt die Zentralstelle derzeit Vorermittlungen gegen SS-Personal aus den Konzentrationslagern Neuengamme, Bergen-Belsen, Mittelbau, Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück, Flossenbürg, Groß-Rosen und Mauthausen. Zudem sollen die Recherchen auf weitere nationalsozialistische Massenverbrechen ausgeweitet werden, etwa die der Einsatzgruppen in der Sowjetunion oder die "Räumungen" jüdischer Ghettos im besetzten Polen.

Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen wurde 1958 gegründet. Sie übernimmt für die Bundesländer staatsanwaltschaftliche Vorermittlungen gegen ehemalige NS-Verbecher und bündelt die Ermittlungen.