Philipp Jenninger ist tot. Wie der Deutsche Bundestag mitteilte, starb der ehemalige Bundestagspräsident am vergangenen Donnerstag im Alter von 85 Jahren.

Jenninger wurde 1932 im baden-württembergischen Rindelbach geboren. Der studierte Jurist saß für die CDU ab 1969 im Deutschen Bundestag. In seiner politischen Karriere war Jenninger unter anderem Erster parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Fraktion und später Staatsminister im Bundeskanzleramt unter Helmut Kohl.

Rücktritt nach "schmerzhaftem Missverständnis"

1984 dann wurde er zum Bundestagspräsidenten gewählt. Von diesem Amt trat er vier Jahre später zurück, nachdem er eine Gedenkrede zum 50. Jahrestag der Judenpogrome vom November 1938 gehalten hatte. Die Rede enthielt missverständliche Zitate aus der NS-Zeit, weswegen Abgeordnete von SPD, FDP und Grünen während der Ansprache den Plenarsaal aus Protest verließen. Auch international gab es Empörung. Die Kritik richtete sich vor allem gegen Passagen, in denen Jenninger die politischen Erfolge Hitlers in seinen ersten Amtsjahren hervorhob und in Frageform antisemetische Vorbehalte wiedergab.

Bei der Bundestagswahl 1990 kandidierte der Politiker nicht mehr. Er wurde von 1991 bis 1995 deutscher Botschafter in Österreich und anschließend bis 1997 Botschafter im Vatikan.

"Philipp Jenninger hat die deutsche Politik über viele Jahre in herausgehobenen Positionen maßgeblich mitbestimmt", sagte der derzeitige Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Er habe Jenninger als leidenschaftlichen Abgeordneten erlebt und als überzeugten Demokraten sehr geschätzt. Dass er 1988 nach einem "schmerzhaften Missverständnis" für sich politische Konsequenzen gezogen habe, zeige sein großes Verantwortungsgefühl, sagte Schäuble.

Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) lobte Jenningers Fähigkeiten als Politiker. Er habe sich in allen politischen Ämtern "als sachkundiger, integrer und überzeugter Parlamentarier" erwiesen.