Wenn die Kardinäle einen neuen Papst wählen, werden sie traditionell in der Sixtinischen Kapelle in Rom eingeschlossen, bis weißer Rauch aufsteigt. Früher bekamen die Purpurträger während des Konklaves nicht einmal zu essen, um die Sache zu beschleunigen. Das einzige Kommunikationsmittel nach außen ist bis heute ein kleiner Kanonenofen, in dem die Abstimmungszettel verbrannt werden. Schwarzer Qualm aus dem Kamin heißt: keine Einigung. Weißer bedeutet: Habemus papam – wir haben einen neuen Papst.

So ähnlich scheinen die Partei- und Fraktionsvorsitzenden von CDU/CSU und SPD jetzt auch verfahren zu wollen. Als sie sich am Sonntag zu ihrer ersten Sondierungsrunde nach ihren Vorgesprächen in der sozialdemokratischen Parteizentrale trafen, durfte hinterher nur SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil ein wenig wohlwollenden atmosphärischen Rauch verbreiten. Allen übrigen Unterhändlern wurde Stillschweigen verordnet.

Für uns Journalisten und die Medien, einschließlich der sogenannten Neuen, ist die Stille blöd. Denn wir leben davon, Informationen zu verbreiten. Dazu gehören auch Zwischenstände von Verhandlungen – und mit Vorliebe wird über Streit und Gezänk berichtet, denn das bringt Aufmerksamkeit und hohe Leseraten, vulgo: Klicks.

Aus Fehlern des ersten Versuchs gelernt

Für uns als Bürger – und vermutlich für die meisten übrigen Menschen im Land – ist das große Schweigen nach dem vierwöchigen großen Mediensausen während der Sondierungen von Union, FDP und Grünen aber eine Wohltat. In diesen anstrengenden Wochen konnte man aus gutem Grund den Eindruck haben, dass die Unterhändler mehr draußen vor den Türen des Verhandlungssaals miteinander stritten, als sich drinnen um eine Einigung zu bemühen. Am Ende stand das große Scheitern.

Dass die Spitzen der alten und womöglich neuen mittelgroßen Koalition nun als Erstes beschlossen, Vergleichbares diesmal nach Möglichkeit zu unterbinden, ist angenehm, auch wenn wir nun bis zum geplanten Ende der Sondierungen nur spekulieren können, ob es diesmal klappt. Es spricht dafür, dass die Beteiligten aus den Fehlern des ersten Sondierungsversuchs gelernt haben.

Ihre jetzigen Verhandlungen sind der letzte Versuch, eine Neuwahl zu vermeiden, die wahrscheinlich auch kein sehr anderes Ergebnis als am 24. September bringen und die Sache daher kaum leichter machen würde. Union und SPD sind deshalb zu sehr ernsthaften Anstrengungen verurteilt. Und wir anderen zum Warten.