Auch während der letzten Sondierungsrunde von Union und SPD sind Einzelheiten aus den Verhandlungen an die Öffentlichkeit gelangt. So berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen ihr vorliegenden Entwurf, dass die Unterhändler sich auf eine deutliche Reduzierung des umstrittenen Unkrautvernichters Glyphosat geeinigt hätten. Dafür solle eine "Minderungsstrategie" entwickelt werden. Ziel sei es, die "Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden".

Die Nachrichtenagentur AFP berichtete, Union und SPD wollten eine "nationale Nutztierhaltungsstrategie" einführen. Damit solle der Tier- und Umweltschutz genauso beachtet werden wie die Qualität bei der Produktion und Marktorientierung, berichtete die Agentur unter Berufung auf ein Papier der Sondierungsgruppe zu den Themen Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Verbraucher sollen zudem erkennen, welche Hersteller tierischer Lebensmittel über die gesetzlichen Vorgaben der Haltung hinausgehen. Dazu wollen Union und SPD ein Tierwohllabel einführen. "Der Mehraufwand muss honoriert werden." Die Sondierungsparteien wollen zudem das Töten von Eintagsküken beenden.

Schulz will Fokus auf Europa

Am Morgen hatten sich die Chefs von Union und SPD zuversichtlich gezeigt, den Sondierungsprozess am heutigen Donnerstag abzuschließen. Angela Merkel und Martin Schulz sprachen von dicken und harten Brocken, die es noch aus dem Weg zu räumen gelte. Es werde ein harter Tag. Die Kanzlerin sagte, sie und alle Sondierer der CDU würden sich mit großer Energie um konstruktive Verhandlungen bemühen: "Ich weiß, dass die Menschen das von uns erwarten."

Schulz kündigte an, mit den beiden anderen Parteivorsitzenden Merkel und Horst Seehofer (CSU) über Europa zu verhandeln. Eine neue Bundesregierung müsse vor allem einen neuen Aufbruch für die Europäische Union mit einleiten, sagte der frühere EU-Parlamentspräsident.

Der französische Präsident Emmanuel Macron, die Kommission und das Parlament hätten eine Fülle von Vorschlägen unterbreitet, wie die Union erneuert werden könne. Diese Vorschläge hätten bisher keine Antwort von aus Deutschland erhalten. Ein klares Bekenntnis der neuen Regierung zur EU sei eine Bedingung für eine Regierungsbeteiligung der SPD.


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Proteste begleiten das Treffen

Begleitet wurden die Sondierungen von Protesten für mehr Klimaschutz der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Hintergrund ist die Absicht von Union und SPD, von dem nationalen Klimaziel abzurücken, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent zu verringern.

"Wenn selbst das Mutterland der Energiewende seine Klimazusagen nicht einhält, droht international eine fatale Kettenreaktion", teilte der Greenpeace-Klimaexperte Andree Böhling mit. Aktivisten projizierten eine "To-do-Liste" auf die Fassade des Willy-Brandt-Hauses, in der unter anderem die Abschaltung von Kohlekraftwerken sowie ein verstärkter Ausbau erneuerbarer Energien gefordert wurden.

Sondierungen - »Die Stimmung ist wie das Wetter« Die Sondierungsgespräche von Union und SPD nähern sich den Kernpunkten. Die Probleme seien lösbar, aber man habe noch viel harte Arbeit vor sich, sagte Kanzleramtschef Altmaier. © Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa